WYSIATI – Basisfehler Trugschluss - flink Basisfehler vermeiden

Zusammenstellung der bekanntesten Verzerrungen

Mir ist es wichtig, die bekannten Verzerrungen, die auch im agilen Kontext nicht nur anwesend, sondern (Impediment-) auslösend sind, zu betrachten. Der beiden linken Bereiche betreffen überwiegend den einzelnen Menschen, die rechten Bereiche mehr die Organisation und Interaktion zwischen und innerhalb der Menschen.

  • Correspondence Bias (Attributions Fehler): Die Neigung, die Ursache, also den Auslöser für ein beobachtetes Verhalten zu oft in (als feststehend vermuteten) „Charakter Eigenschaften“ der agierenden Person und zu selten in den (variablen, von aussen kommenden) Merkmalen der jeweiligen Situation zu suchen. (siehe auch Selbstüberschätzung und Kontroll-Illusion).
  • Anchoring Bias (Anker Heuristik, der Anker, Priming wird auch im NLP genutzt): die Tatsache, dass Menschen bei vorab bewusst gewählten Zahlenwerten von momentan vorhandenen Informationen der Umgebung beeinflusst werden, ohne es zu bemerken (Priming ist gut und speziell in der Verhaltenstherapie anwendbar, um Veränderungen zu ankern. Im Arbeitsleben sind das dann Elemente teambildender Massnahmen). Bei Verhandlungen wird eine Zahl in den Raum gestellt, die sich unterschwellig als Referenz manifestiert. Sofern diese im Kontext untragbar ist, sollte man diese Situation ohne Gegengebot sofort verlassen und vertagen, um diese Referenz wieder abzuschwächen.
  • Confirmation Bias (Bestätigungsfehler): die Neigung, Informationen so auszuwählen und zu interpretieren, dass sie die eigenen Erwartungen erfüllen (subjektive Auwsahl zur Bemessung)
  • Belief Bias (Überzeugungsfehler): die Tendenz zu glaubwürdigen Schlussfolgerungen, denn was sich leicht(er) konsumieren lässt, geht schneller ins Hirn (System 1) und weniger geprüft (System 2)
  • Bias Blind-Spot (Der blinde Fleck) Tendenz, sich selbst für unbeeinflusst zu halten. Diese Fehlannahme kann gut sein, um überhaupt Entscheidungen treffen zu können.
  • Default-Effekt (Unentschiedenes Ausharren) übermäßige Bevorzugung derjenigen Option, die in Kraft tritt, wenn eine Instanz (System 1 oder System 2) keine aktive Entscheidung (Pro oder Contra) trifft. Der Mensch weicht auf das Bekannte und Vertraute aus. Das ist dann die Entscheidung, auch als Aussitzen bekannt. (s. Analogie der Physik, Mechanik: Dynamiken und Masseträgheit)
  • Deformation Expansion (Professionelle Deformationsausweitung): Neigung, eine berufs- oder fachbedingte Methode oder Perspektive unbewusst über ihren originären Geltungsbereich hinaus auf andere Themen und Situationen anzuwenden. (s. auch Expertentrugschluss)
  • Dunning-Kruger-Effekt: (Selbtüber-, Fremdunter-Schätzung) Tendenz inkompetenter Menschen, das eigene Können zu überschätzen und die Kompetenz anderer zu unterschätzen. Hier wird eine aktive Reflektion des realen Referenzwertes ausgeblendet.
  • Halo-Effekt: (Fehler der Eigenschaftsinterpolation) Tendenz, von bekannten Eigenschaften (Attributen) einer Person auf unbekannte Eigenschaften zu schließen. Im ungünstigen Fall werden diese Unbekannten dann höher bewertet, als diese sind. Der erste Eindruck bestimmt die weitere Beurteilung. (Beispiel: Eigenschaften von Kandidaten in umgekehrter Reihenfolge, z.B. erst gute, dann schlechte, bzw. umgekehrt)
  • Kontrasteffekt: (Intensiverte Wahrnehmung) eine zusätzlichen Information, welche zusammen mit einer im Kontrast stehenden Haupt-Information präsentiert wird, scheint gewichtiger. Wird gerne im Immobilen-, Bewerber- und Anlagemarkt verwendet, denn in der Beurteilung nach Anschaulichkeit wird attraktiveres, anschaulicheres auch als besser zutreffend oder wahrscheinlicher eingestuft. Dieser Eindruck beweist den „subjektiven Geschmack“, mit dem jeder Mensch behaftet ist.
  • Illusion of Control (Kontroll-Illusion): die falsche Annahme, zufällige Ereignisse durch eigenes Verhalten kontrollieren zu können. Zufälle sind von außen nach innen kommende Ereignisse, die mit eigenem Verhalten (von innen nach außen) nicht steuerbar sind, sonst wäre es keine Zufälle (positive Umstände, eine Menge an zuträglichen Ereignissen), die einem zugefallen ist.
  • Illusion Correlation (Illusorische Korrelation): die fälschliche, oft automatisiert hergestellte Wahrnehmung eines zusammenhanglosen Kausalzusammenhangs (Wechselbeziehung) zweier Ereignisse im Ergebnis, nicht zu verwechseln mit einer Kausalität, der Ursache, dem Auslöser, zu einem Oberbegriff, der Kausalität, Nähe, Kontext, oder Intentionalität darstellt.
  • Impact Bias: (Vorhersagefehler aufgrund Voreinwirkung) Die psychischen Auswirkungen eines vorgestellten negativen Ereignisses wie Verlust des Arbeitsplatzes oder Trennung vom Partner werden in Dauer und Tiefe systematisch zu stark erwartet.
  • Bias of WYSIATI-Effect (WYSIATI: „What you see is all there is“) beschreibt das Erzeugen eines Bildes, dass dann zu einer Entscheidungsfindung herangezogen wird, anhand der angebotenen Informationen (also verfügbare Menge, nicht tatsächlich existente Menge) ohne andere, relevante Informationen zu berücksichtigen. Logisch: Je kleiner diese validierte Menge, desto unbrauchbarer die daraus gewonnene Entscheidung.
  • Misfunction of Question (Question-Bias) (Reduktion / Fehler der Fragestellung) Ursprungsfrage auf eine andere, einfachere Frage weiterleiten und Beantwortung dieser, dann Rück-Übertragung dieser Antwort auf die Ursprungsfrage als Rückschluss. Die Basis ist Heuristik wie in der Wissenschaft verbreitet. Wenn man ein Problem nicht lösen kann, versucht man zuerst ein ähnliches Problem oder ein Spezialfall zu lösen. Hat man dann dafür eine Lösung, kann man oft andere Fälle auf den Spezialfall zurückführen und damit auch lösen. Entscheidend ist hierbei (Fehlerquelle!), die richtigen Fragen zu stellen.
  • Recall Bias (Fehler der Erinnerungsverzerrung): Fehlerquelle vor allem in retrospektiven Studien (also auch der Retrospektive in Scrum – deshalb plädiere ich für ein Begrenzen dieser Time-Box – im besten Fall ganz abschaffen. „Der qualitative Verstand sinkt mit der Menge (Quantität) aller Teilnehmer.“ Ein unschöner Effekt, der gut zu beobachten ist. Eine Person (allein) ist in der Lage, die Stimmung und den Wahrheitsgehalt einer Retro negativ zu beeinflussen. Die Ergebnisse aus dieser Retro können dann weder optimal noch positiv sein.
  • Bias of Self Assesment (Selbstüberschätzung – Vermessenheitsverzerrung): Grob: Überschätzung des eigenen Könnens und eigener Kompetenzen. Menschen neigen in ihrem Verhalten zu verschiedene Formen der Selbstüberschätzung. Einerseits ist das gut, andererseits kann das aber auch schief gehen. Hier ist jedoch bewiesen, dass die Evolution so handeln musste, um uns Menschen weiter zu entwickeln. Es ist quasi eine Art Antrieb innerhalb der umstrittenen Auslese des Stärkeren in Verbindung mit den Erkenntnissen der positiven Wahrscheinlichkeit (wird auch ‘Zufall’ oder ‘Glück gehabt’ genannt, weil die Umstände vorteilhaft waren). Beispiele sind:
    • Selbstüberschätzung ist einerseits gut, andererseits kann das aber auch schief gehen. Hier ist jedoch bewiesen, dass die Evolution so handeln musste, um uns Menschen weiter zu entwickeln. Es ist quasi eine Art Antrieb innerhalb der umstrittenen Auslese des Fitteren (nicht Stärkeren) in Verbindung mit den Erkenntnissen der positiven Wahrscheinlichkeit (wird auch ‘Zufall’ oder ‘Glück gehabt’ genannt, weil die Umstände vorteilhaft waren).
    • Illusion des Verstehens: Wenn uns eine Erfolgsstory erzählt wird, glauben wir die Gründe des Erfolgs zu verstehen. Dabei hat der Betreffende neben einigem Geschick einfach oft Glück gehabt. Es hätte auch anders ausgehen können.
    • Rückschaufehler: die verfälschte Erinnerung an eigene Vorhersagen, die bezüglich eines Ereignisses getroffen wurden, nach dem Eintreten des Ereignisses. Die Formulierungen: „Das habe ich schon immer gewusst“ oder „Das habe ich kommen sehen.“ weisen stark darauf hin. Wenn wir ein Ergebnis kennen, beurteilen wir unsere frühere Meinung anders. Wenn es schief ging, war es Schuld eines anderen. Wenn es gut ging, war es die angenommene Leistung der eigenen Person. (Obwohl Zufälle eine große Rolle spielen)
    • Bias of Trust (Basisfehler der Glaubwürdigkeit) = Gültigkeits-Illusion: Wenn wir eine Geschichte haben, die uns hochgradig konsistent und leicht verstehbar erscheint, halten wir sie auch für wahr. Menschen beurteilen die (gefühlte) Glaubwürdigkeit einer Aussage nach ihrem Inhalt, der ihnen im Moment des Eintreffens nach der WYSIATI-Regel zur Verfügung steht und nicht nach der Qualität der Quelle oder im Gesamtkontext, diese bleiben oft völlig unbeachtet.
    • Glaube an Experten: Experten z.B. für Aktien wird geglaubt, auch wenn die nachgewiesenen Prognosefähigkeit nicht besser ist als bei einem Würfelspiel. Je berühmter der Experte, desto extremer seine Prognose. Von Experten wird eine unrealistisch genaue Prognose verlangt. Eine realistische Prognose mit Fakten und entsprechend minimierter Unsicherheit macht den Experten überflüssig.

      Mehrfach wurde einwandfrei belegt: Menschen, die ihre Zeit damit verbringen und ihren Lebensunterhalt damit verdienen, sich gründlich mit einem bestimmten Sachgebiet zu beschäftigen, erstellen schlechtere Vorhersagen als „Dartpfeile werfende Affen„, die ihre ‚Entscheidungen‘ entsprechend ihrem Können gleichmäßig über alle Optionen verteilt hätten. Selbst auf dem Gebiet, das sie am besten kannten, waren Experten nicht deutlich besser als Nichtexperten (Laien).
    • Abneigung gegen Algorithmen: Selbst wenn eine bewährte und validierte Formel eingesetzt wird, vertraut man nicht, wohl aber dem Ratschlag oder der Intuition von Personen oder wem auch immer. Das Natürliche, das Emotionale wir bevorzugt.
    • Planungsfehlschluss: (optimistische Verzerrung) Bei Planungen wird von optimalen Szenarien ausgegangen, unbekannte Probleme ignoriert, statistische Daten über vergleichbare Vorhaben ebenfalls.
    • Optimistische Verzerrung: Optimisten sehen sich selbst und die Welt besser, als sie wirklich sind. Sie unternehmen mehr, auch Riskanteres, sie haben öfter Erfolg. Erfolge schreiben sie ihrem Können zu, Misserfolge widrigen Umständen. Optimisten leben insgesamt glücklicher.
    • Konkurrenzvernachlässigung: Unternehmer konzentrieren sich auf ihre eigenen Ideen und Pläne, ohne zu berücksichtigen, was die Konkurrenz oder das Umfeld machen.
  • Self-Reference-(Repeat-) Effekt (Effekt des sich wiederholenden, schematisierenden Selbstkonzepts) Mere-Exposure-Effekte sind beobachtete Tatsachen wie häufig wahrgenommenes wird besser bewertet. Aktien mit leicht merkbarem Namen werden günstiger bewertet, sogar öfter gekauft. (Anmerkung und von mir oft genug beobachtet: (ohne Selbstbezug): Falsche Behauptungen, oft genug wiederholt, werden schließlich geglaubt.)
  • Scope Neglect (Scope Insensitivity) (Unempfindlichkeit im Geltungsbereich): das Nichtbeachten der (geringen) Größen, selbst wenn diese differieren, eines Problems. Zum Beispiel erklären sich Menschen in einer Studie bereit, im Durchschnitt 78 US-Dollar für die Rettung von 20.000 Vögeln zu spenden. Werden sie hingegen zur Zahlungsbereitschaft zur Rettung von 2.000 Vögeln gefragt, kommt im Durchschnitt beinahe der gleiche Wert heraus.
  • Bias of Status-Quo (Status-Quo bevorzugen) Tendenz der Bevorzugung des Status quo gegenüber Veränderungen
  • Lake-Wobegon-Effekt (selbstwertdienliche Verzerrung): der Aufrechterhaltung eines positiven konsistenten Selbstbildes dienen.
  • Truthahn-Illusion (Trendbruch ausblenden) beschreibt die Neigung, einen Trend zu extrapolieren, ohne ihn zu hinterfragen. Die Sicherheit wächst permanent mit dem Trend. Daher ist zum Zeitpunkt des Trendbruchs die Sicherheit am größten, ebenso wie der Schock über den Trendbruch.
  • Gender-Bias: (Geschlecher Verknüpfung): die Neigung, generische als spezifische Maskulina zu lesen bzw. Rollenklischees entsprechende Vermutungen anzustellen (Baggerführer = Mann).
  • Pattern-Bias (Mustererkennung und Interpretation) die Neigung, in Datenströmen Muster zu sehen, selbst wenn gar keine da sind, siehe Apophänie, Clustering-Illusion, Pareidolie
  • Bias of unwanted Basic Statistics (Fehler / Ausblenden von Basis-Statistik) wie
    • Ignorieren der Grundmenge: Die Häufigkeit wird anhand eines typischen Beispiels bewertet, ohne zu berücksichtigen, wie häufig dieses Beispiel in der Gesamtmenge ist,
    • Verfügbarkeitsheuristik: Wo einem zu einem Ereignis spontan Beispiele einfallen, beurteilt man die Wahrscheinlichkeit in vermuteten Parallelen zu hoch,
    • Affektheuristik: Bei angenehmen Sachverhalten beurteilt man den Nutzen viel höher, die Risiken viel geringer und umgekehrt. Nutzen (Gebrauchswert, Nutzwert) und Risiko sind per Definition zwei verschiedene Dinge. Das Ausblenden dient der einfachen Welt (siehe Leistungen des Hirns, System 2): Manche Sachen sind gut und dann auch in allen Aspekten, andere schlecht und ebenso auch in allen Aspekten),
    • Extremwert-Urteil: Extremwerte werden mit Ursachen verknüpft, obwohl die nur durch eine kleinere Stichprobe bedingt sind. Das konkrete Hinterfragen nach Qualität und Quantität der Menge ist sehr hilfreich. Bewiesen ist: Nach einem Extremwert ist ein normalerer Wert wahrscheinlicher und nicht ein weiterer Extremwert (Regression zum Mittelwert). Muster: X-Prozent Ursache, Y-Prozent Zufall oder Glück. Beide sind kaum kalkulierbar.
    • Stichproben Menge: Auch Wissenschaftler machen Aussagen aufgrund viel zu geringer Stichproben. Und im agilen Umfeld ernte ich ungläubige Ablehnung bis streitbefangene Diskussionen, wenn es um validen Content im Backlog oder bei Scrum um das Grooming, also das zusammentragen valider Daten für ein Ticket geht. Der Sinn dieser nutzlosen Gespräche entzieht sich meinem Horizont …
  • Bias of Emotional Reasoning (Emotionale Beweisführung): die Neigung, eine empfundene Emotion als Beweis für eine Annahme zu betrachten
  • Bias of Trust (Basisfehler der Glaubwürdigkeit): Menschen beurteilen die (gefühlte) Glaubwürdigkeit einer Aussage nach ihrem Inhalt, der ihnen im Moment des Eintreffens nach der WYSIATI-Regel zur Verfügung steht. Nicht nach der Qualität der Quelle oder im Gesamtkontext, diese bleiben oft völlig unbeachtet.
  • Hot-Hand-Phänomen (Volksmund Glückssträhne): Eine zufällige Häufung von Erfolgen im Sport und Glücksspiel wird als „einen Lauf haben“ oder als „Glückssträhne“ angesehen.
  • Misunderstandig of Homo Ökonomicus (Verhaltens-Delta zwischen Wert, Besitz und Waren) ist der Fehler und Irrtum, in man gerne selbst verfällt: Beispiel: Sie sind Spezialist und Kenner seltener Güter, die auch einen Sammlerwert haben und kaufen und verkaufen sporadisch diese. Die realistischen Preise sind irrelevant, wenn sie ein persönlich begehrtes Objekt besitzen, selbst wenn eine valide Formel diesen Preis anhand statistischer Daten genau berechnet. Für den Preis eines Verkaufs sind aber andere Faktoren maßgebend, nicht nur die Qualität, z.B. Angebot und Nachfrage, Geldknappheit oder Überfluss. Insbesondere ist die Verlustaversion mächtiger, als vermutet und kann kaum mit rationalen Mitteln umgangen werden.
  • Risiko-Bewertung, -Wahrnehmung: (Nach Slovic) Beispiel: Experten kennen die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Schadensfälle. (Wahrscheinliche Anzahl Todesfälle, Vermögensschadenshöhe) Laien differenzieren viel mehr nach Einflußfaktoren und Schadensausmaß. (z.B. wie grausam (subjektiv) sterben die Leute im Schadensfall, wen trifft es (also sein Umfeld)?). Resumee: Gefahren sind real. Risiken sind subjektive Schätzungen. Und Risiken zu definieren bedeutet Macht.

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