WYSIATI – Basisfehler Trugschluss - flink Basisfehler vermeiden
82 / 100 SEO Punktzahl

Entscheidungen – mit und ohne WYSIATI

‚Bernoulli‘ Versuche, Iteration und Danke

Entscheidungen fussen oft auf Unsicherheit, darüber schrieb ich bereits und wir Menschen sind da weitaus nicht rational, was auch bewiesen ist. Nach Bernoulli (Schweizer Naturwissenschaftler im 18. Jahrhundert aus einer Gelehrtenfamilie) wurde zwischen dem Homo Economicus (siehe weiter oben, Econs) und den Normalsterblichen (Humans) unterschieden. Die Econs wählen stets den optimalen Erwartungswert. Die Humans entscheiden nach anderen Regeln und deren Verhalten, wie und mit welchen Mechaniken diese in der „Neuen Erwartungstheorie“ formuliert werden, unterscheidet sich.

These: Der Nutzen des Vermögens, das jemand besitzt, ist nicht proportional dem Betrag, sondern dem Logarithmus des Betrags. Je ärmer jemand ist, desto größer ist der Nutzen eines Geldes, das er bekommt oder verliert. Für den Obdachlosen sind 20 Euro viel Geld, für den Multimilliardär sind 20 Millionen wenig. Hier wird eine Relativität, die abhängig ist vom Kontext (Bettler, Milliardär) sehr deutlich sichtbar. Bernoulli gibt als Proportionalitätsfunktion den Logarithmus (zur Basis 10) an. Die Bernoulli-Formel kann z.B. erklären, warum (eher arme) Leute Versicherungen abschließen, und eher reiche Versicherungskonzerne Versicherungen anbieten. Die geforderte Geldumverteilung von oben nach unten findet paradoxerweise genau und das seit Jahrzehnten umgekehrt statt.

Das wird in der neuen Erwartungstheorie klar widerlegt. Wobei sich der Umstand nur auf das beobachtete Verhalten als solches, nicht die Höhe bezieht. Die ist wieder von anderen Faktoren bestimmt. Fiktives Beispiel: Herr Müller und Herr Schmidt besitzen heute, jetzt, wo Sie das lesen, je ein Vermögen von 5 Millionen. Gestern hatte Herr Müller 1 Million und Herr Schmidt 9 Millionen.

Sind sie gleich zufrieden? (Haben sie gleichen Nutzen?) Die Zufriedenheit wird von der aktuellen Veränderung ihres Vermögens zum vorherigen Zeitpunkt bestimmt. Diese Referenzabhängigkeit (Bezugspunkt-Abhängigkeit) ist bei Empfindungen und Wahrnehmungen allgegenwärtig und sogar schon bei Babies mit dem Zugewinn von Spielzeug zu beobachten.

Neue Erwartungstheorie, Kernpunkte …

  1. Referenzpunkt: (finanzielle) Entscheidungen orientieren sich am gegenwärtigen Stand. Die höhe des Standes ist weniger relevant, es gilt immer: ‘mehr von’ oder ‘weniger von’ betrachtet von einem persönlichen (Referenz-) Punkt.
  2. Abnehmende Empfindlichkeit: Nicht der absolute Betrag zählt, sondern der prozentuale Wert (kann besser und schneller gefühlt werden, S1, Zahlen sind zu abstrakt, S2)
  3. Verlustaversion: Verluste werden stärker bewertet als Gewinne. Ein Steak nicht zu essen, wenn Sie Hunger haben, ist schlimmer als das 3. Steak auf dem Teller – Sie sind ja schon satt. Dies ist aus der Evolution erklärlich, z.B. mit Feuer: Als Höhlenmensch kein Feuer zu haben war schlimmer als der Genuß, vor der Höhle 3 Freuer brennen zu haben.

… und Mängel der Erwartungstheorie

  1. Die Theorie kann selten das Gefühl der Enttäuschung nicht erklären, wenn ein hoher Gewinn mit hoher Wahrscheinlichkeit dann doch nicht eintritt.
  2. Die Theorie kann Entscheidungen nicht erklären, die darauf beruhen, dass der Entscheider sich vor Reue fürchtet, wenn er einen sicheren Gewinn ausschlägt. Diesen lehnt er zugunsten eines höheren Gewinns ab, der aber mit Unsicherheiten behaftet ist. Falls nämlich dieser unsichere Gewinn nicht eintritt, sagt er „hätte ich doch“.
  3. Es gibt noch weitere Abweichungen, die auf dem emotinalen und subjektiven Sicherheitsaspekt eingehen. Es kommen Entscheidungsgewichte in den zu erforschenden Lichtkreis. Diese Gewichte (Wichtung) hängen nicht linear mit der Wahrscheinlichkeit des entsprechenden Gewinns zusammen wie etwa beim Lotto. Das bedeutet, dass ein „human“ im Normalfall  statt einem Gewinn von 100 Euro mit 80% Wahrscheinlichkeit lieber einen sicheren Gewinn von 60 Euro wählt. Dies spiegelt die große Rolle des Sicherheitsaspekts wieder.

Auf weitere Erkenntnisse (wobei seltene Ereignisse entweder gänzlich ignoriert oder übergewichtet werden), wie das Viergeteilte Muster, Wahrheit über die Intuition, die 2 Selbste (in Verbindung mit dem Schmerzgedächtnis und was macht glücklich) schiessen über agile Betrachtungen hier hinaus und sind ausgespart.

Relativ gut oder schlecht – hier nur existent

Ich beurteile selbst kognitive Verzerrungen (die ich lernen durfte) nicht durchweg negativ, sondern habe erkannt, dass diese für mich und die Menschen in meiner Umwelt in manchen Situationen durchaus nützlich sein können, z.B. dann, wenn die Schnelligkeit der Entscheidung wichtiger ist als die Richtigkeit. Auch mag es manchmal nützlicher sein, eine gruppenkonforme falsche Entscheidung mitzutragen, als für eine richtigere (manchmal sinnlos) zu kämpfen.

Es kommt darauf an, mit welchem Glass seiner eigenen Brille man auf die Dinge sieht. Oft sind sie verzerrt, manchmal nur verfärbt. Sofern Sie bis hier hin den Artikel aufmerksam gelesen haben, wissen Sie, was zu tun ist: Einfach mal die Brille abnehmen und das Ganze betrachten – und bewerten.

Die Wirtschaft lebt davon, dass mutige Menschen Wagnisse (wie eine Agile Transformation), was unter rationalen Erwartungwertaspekten viel zu riskant ist. Selbst rational ist in den aktuell volantilen Zeiten schon eine gewagte Forderung, wenn bei agilen Planungen von jetzt auf gleich die äußeren Rahmenbedingungen als Fundament dieser verdunsten oder sich derart verändern, dass Pläne obsolet werden. Die meisten scheitern und leiden dabei Schiffbruch, aber manche haben großen Erfolg – hoffentlich nur mit eigenen Drogen. Bitte keine Diskussionen: Die Ergebnisse hier basieren auf Laborbedingungen, im normalen Leben gibt es als zusätzliche Störeinflüsse noch so ‚Zeugs‘ wie Transaktionskosten (z.B. Zeitbedarf, Kapitalbindung) und Risiken, die im Testumfeld minimiert sind. Dieser Artikel soll eine Vielzahl von Einsichten und damit Ansatzpunkte für eigenes Verhalten bieten, um es (iterativ) zu verbessern. Natürlich auch, um als Agilist und Coach positiv und sinnstiftend auf die ihm Anvertrauten (Mitarbeiter, Unternehmen) einzuwirken. Vor allem, dort wo es wichtig ist, nicht spontan zu urteilen, sondern das Gehirn (System 2, S2) einzuschalten, auf die gravierenden Verzerrungen zu achten, und sich stets zu fragen,

  • „Qui Bono?“ Wer hat Wie und welchen Vorteil davon?
  • was ist eigentlich die wirkliche Frage (dahinter), die zur Entscheidung ansteht?
  • was ist die (erste) intuitive Antwort und worauf beruht sie?
  • Ist die erste Antwort validierbar? Was brauche ich dafür?
  • Wie sieht dann (nach dem denken) die 2. Antwort aus? Ist diese valide?
  • Habe ich wirklich alle verfügbaren und relevanten Information?
  • wie sicher sind bereits verwendete Statistiken? Muss ich vorsichtig zu sein?
  • Wann ist eine Aktivität mit ihrem Ergebnis missraten und kann ich das eingestehen?

Bei allen weniger wichtigen Aktivitäten können wir weiter mit System 1 (S1) arbeiten, das ist effektiver und ökonomischer. Nach dem Lesen des Artikels wird, das ist unausweichlich, auch System 1 (S1) was gelernt haben. Mehr, als ihm lieb ist.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

WYSIATI – What you see all there ist nach Daniel Kahneman

Daniel Kahneman (Autor)

Daniel Kahneman, geboren 1934 in Tel-Aviv, ist einer der weltweit einflussreichsten Kognitionspsychologen. Nach Stationen an der Hebrew University in Jerusalem und der University of British Columbia war er bis 1994 Professor an der University of California in Berkeley und hält seither die Eugene-Higgins-Professur für Psychologie an der Woodrow Wilson School der Princeton University. Kahneman revolutionierte die Wissenschaft vom menschlichen Verhalten, indem er die Erkenntnisse der Hirnforschung und der Verhaltensbiologie zusammenführt und auf die Wirtschaftswissenschaften anwendet. (Anmerkung: eine ähnliche Mechanik in meiner Arbeit, agile Elemente / Verhalten auf die Sprach- und Denkbasis von NLP zu stellen.) Für seine Arbeit erhielt Kahneman zahlreiche Auszeichnungen namhafter Universitäten und wurde 2002 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. „Schnelles Denken, langsames Denken“ landete unmittelbar nach Erscheinen auf den Bestsellerlisten der New York Times und des Spiegel. (Anmerkung: Respekt.) 

©2019 Kopitzke ® Pro | Impressum | Datenschutzerklärung

Log in with your credentials

Forgot your details?

Send this to a friend