WYSIATI – Basisfehler Trugschluss - flink Basisfehler vermeiden

Oder etwa noch Fragen?

Fragen kommen beim Lesen dieses Artikels auf. Dafür bin ich da – als Agilist, Coach und Mentor. Umso mehr, da ich mich neben didaktischen Standards auch mit Lern- und Hirn-Technik beschäftige und da echte Antworten entdecke. Eine oft gestellte Frage ist: Gibt es bestimmte Stellen im Gehirn, an denen sich das eine beziehungsweise das andere System lokalisieren lässt? JEIN – Ja, es ist sichtbar und nein, nicht nur an einer Stelle. Wenn man aber erkannt kat, wie die Relationen zueinander sind, das dann im Kontext betrachtet, werden (Re-)Aktionen von Menschen etwas besser vorhersehbar. Das ist der Nutzen. Und: Was hat da mit Agilität zu tun? Ist dieses Modell der Wirklichkeit zu einfach? Einfach = Ja, zu einfach Nein. Das Modell ist komplex, wie der Mensch, der eine neue, einfache Agilität erhalten soll.

Es gilt: ohne den Menschen, der IN Scrum, Kanban, DT, etc. drin steckt und dort die Arbeit machen soll, wären diese agilen Methoden ja gar nicht möglich. Und: Die erst vermuteten Unmöglichkeiten wurden durch Menschen, die intensiv daran geglaubt haben, überwunden. Wie war das mit dem schwarzen Schwan? Es gibt diesen nicht – doch.

Und jetzt – wie geht es weiter?

Wir haben zwei unterschiedliche Wege zu denken, die nicht mit speziellen Hirnbereichen verknüpft sind. Die Interaktion, die Reihenfolge und die Synapsendichte aller Verbindungen machen den Unterschied. Wenn in den folgenden Zeilen von Hirn gesprochen wird, sind genau diese Abhängigkeiten in dem ‘grauen Klumpen zwischen unseren Ohren’ gemeint.

Das schnelles Denken: (System 1, S1) zeigt sich automatisiert. Ohne dass es uns bewusst wird, bereitet uns das Gehirn ständig ein Lagebild (im NLP ist das ähnlich der oft zitierten Landkarte, die nicht das Gebiet ist, sondern nur eine Abbildung dessen). Es versucht, dieses Bild möglichst konsistent zu machen. Dabei erfindet es aufgrund weniger Aussagen oder Erkenntnisse weitere Beziehungen, Zusammenhänge, die die Konsistenz verstärken; z.B. Assoziationen, kausale Zusammenhänge, räumliche und zeitliche Zusammenhänge – ja, es konstruiert. Manche Aufgaben kann es aber nicht lösen, z.B. 78×24.  Dazu braucht es das

Das langsame Denken: (System 2, S2) Hier sind die komplizierten Überlegungen, Rechnen, Vorausplanung, moralische Kontrolle, Selbstbeherrschung, das Abwägen etc. zu Hause.

2 Enden (links und rechts) – so teilen wir denken auf

Langsames Denken ist mühsam und anstrengender und verbraucht viele Ressourcen. Das Hirn verhält sich da wie ein Muskel und konsumiert bei geistiger Arbeit bis zu 20% unseres Energiebedarfes – jeden Tag! Jeder Diskussion um Multitasking zu Trotz kann es nur ein Problem gleichzeitig bearbeiten. Wenn wir uns zu etwas zwingen müssen (hier greift das Element des Widerwillens), bleiben weniger Ressourcen für die eigentliche geistige Tätigkeit. Das, denke ich, ist eine tragende Erkenntnis. Erinnern Sie sich an Vokabeln lernen oder unsinnige Geschichtszahlen. Man kann sich dazu zwingen – ist dann halt Mist, weil es dann doppelt so lange dauert.

Die Priorisierung

In der Priorisierung startet S1, bis wir auf eine Anforderung stoßen, die S1 nicht ‚aus der Hüfte‘ bedienen kann. Dann wird an das langsame Denken S2 delegiert. Das langsame Denken S2 ist auch eine Art Kontrolleur für die Ergebnisse schnellen Denkens – aber leider oft erst im Nachgang! Sie kennen den Effekt, wenn Sie mit einem begnadeten, aber loosen Mundwerk ausgestattet sind? Schwupps sind Dinge gesagt, die bei genauen (Nach-) Denken unvorteilhaft sind oder Konsequenzen haben. Sie kommen selbst drauf – aber erst im Nachgang – und zu spät. S2 ist ein unkritischer und fauler Prüfer, der auch Unsinn durchgehen lässt. Im Normalfall, wenn die Entscheidung keine großen Konsequenzen hat, ist das auch gut so und ökonomisch. Für diesen Effekt können wir uns bei der Evolution bedanken, die alles Erdenkliche in der Entwicklung unseres Hirns unternommen hat, um diesen immensen Energieverbrauch zu begrenzen. Nur so am Rande: Ich habe bisher keinen Beleg gefunden, ob im Energiehaushalt des Körpers der obige Verbrauch, (z.B. in BMI Berechnungen, genügend berücksichtigt wurde. Ich denke, das kommt noch …)

S2, mit (wiederum) zwei Komponenten:

  • dem algorithmischen Denken
  • der Rationalität (Kritikfähigkeit falscher Annahmen, Aussagen etc.)

Selbst diese beiden beeinflussen sich gegenseitig und(!) werden von S1 beeinflusst. Die Kritikfähigkeit ist von der Stimmung und sonstigen Einflüssen abhängig. Vorsicht bei guter Stimmung: Kritikfähigkeit ist eingeschränkt. In dem Artikel „eigene Drogen“ habe ich dazu bereits (mit Humor) geschrieben. Die Pupillengröße ist Maß für die Anspannung. Der Flow, der von diesen Drogen eingeleitet wird, ist ein Zustand müheloser Konzentration (wenn man z.B. an einem Problem arbeitet ohne Selbstkontrolle, z.B. Zeit vergisst – aber auch Nahrungsaufnahme, die sich dann später mit richtigem Hunger offenbart, wenn der Flow-Zustand verlassen wird.)

Das schnelle Denken macht eine Vielzahl von Fehlern, für die der Nobelpreisträger jede Menge von Beispielen in seinem Buch bringt. Bei der intuitiven  Beurteilung von Wahrscheinlichkeiten, die wir ja im Alltag laufend benutzen, werden sehr viele Fehler gemacht – auch von Professoren der Statistiklehre. Daniel Kahneman bringt Unmengen von Versuchen und dazu auch allerlei Episoden und Erklärungen. Es findet dabei häufige, typische und systematische Fehler statt. Dabei geht es nicht um (bewusste) Fehler, sondern um Wahrnehmungen und deren Verzerrungen, die eine fehlerhafte Entscheidung oder Betrachtung begünstigt haben. Welche das sind: siehe Bild und nächste Seite.

Darstellung der derzeit bekannten Verzerrungen

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