WYSIATI – Basisfehler Trugschluss - flink Basisfehler vermeiden

Und Deutschland will mit diesen Umfrageergebnissen die postulierte Digitalisierung und Industrie 4.0 wuppen. Da habe ich in jeder noch so kleinen Iteration meine Zweifel. Die Anforderungen werden immer größer – die Demotivation gleich mit. Zum Thema Motivation schreibe ich in einem anderen Artikel mehr. „Wir lernen schon in der Schule, nur genau das zu tun, was uns gesagt worden ist. Dafür gibt es dann Noten – natürlich gute. Genauso lustlos gehen diese Kinder dann später auch arbeiten“, so Hüther. Dabei ist Spaß die Voraussetzung für gute Leistungen. Hierzu habe ich selbst mal ein kleines Experiment gemacht. Ich befragte Schüler, die gerade ihr Winterzeugnis erhalten hatten, nach dem Inhalt, also dem Stoff der VOR- letzten Mathe Arbeit – ein Zeitraum, der eigentlich überschaubar ist. Raten Sie mal, was ich (durchweg) als Antwort erhalten habe: „??“ … Richtig. Note eingefahren – abgehakt.

„Selbst die Dipl. Parkett-Kosmetikerin mit Zusatz-Qualif. ‚Waste-Management‘ – also die gute, aber sehr geschätzte, weil notwendige Reinemache-Frau hat Gestaltungsspielraum“, wenn man diese über in Ihrer Tätigkeitsbeschreibung nicht nur auf zu erledigende Handgriffe, sondern klare Ergebnisse definiert. „Begeisterung ist wie Dünger für das Gehirn“, sagt Prof. Hüther in seiner Eigenschaft als Wissenschaftler. „Das Gehirn lernt ein Leben lang – bis zum Tod (mit fallender Geschwindigkeit). Dabei kommt es immer wieder zu nachgewiesenen Umbauprozessen, bei denen neue, neuronale Vernetzungen im Kopf entstehen.“ Diese können, wie bei einem Muskel, nur entstehen, wenn dieser Muskel auch gefordert wird und dieses gelingt auch nur, wenn die emotionalen Bereiche im Gehirn mit aktiviert werden. Ganz einfach: Kein Spass, keine Action, keine Motivation. Frust und Lust sind die 2 entgegengesetzte Enden aller unserer Hirnwindungen. Dazwischen ist der Gestaltungsspielraum.

Im heutigen System wird rückblickend immer noch erwartet, dass eine Ausbildung mit 20-28 Jahren abgeschlossen ist – und es danach keine Veränderung mehr gibt. „Die Hirnforschung weiß inzwischen, dass jeder in jeder Situation und in jedem Beruf einen Gestaltungsspielraum hat – selbst die obige Reinigungskraft.“, sagt Hüther. „Wenn Menschen die Gelegenheit bekommen, wieder Verantwortung zu tragen (es sind mehr Menschen tragfähig als bisher vermutet) und sich selbst als bedeutsam erleben, dann kommt auch die Begeisterung an der eigenen Arbeit wieder.“ so seine Beurteilung. Ich selbst habe eine zeitlang (es waren Jahre um die Jahrtausendwende) gebraucht, um diese Erkenntnis für mich zu ordnen und dann sinnstiftend als Agilist für mich und Kunden zu nutzen.

Überall: Fehler in der Wahrnehmung

auf dieser Basis zu entscheiden ist fahrlässig

Und doch: Sie passieren. Aus meiner agilen Sicht auf die Dinge, Projekte und Menschen, die ja letztendlich da überall drin strecken, gibt es dafür auch eine Begründung. Vermutlich sogar mehrere, die gestapelt sogar ganze Kaskaden an Fehlern mit einem exponentiell wachsenden Irrtum, auf dem Entscheidungen getroffen werden, verursachen. Doch der Reihe nach, und auch nicht zuviel auf einmal, sonst stiftet das erst Verwirrung und dann eine Verzerrung der Realitäten.

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Duck or Rabbit? Ein Klassiker, der immer noch wirkt

Realitäten verändern sich

Schöne Grüße aus dem NLP – wer hier aufgepasst hat, wird wissen, dass es mindestens 2, streng genommen sogar 3 Realitäten gibt. Meine Realität, Ihre (die in Ihrer Wahrnehmung durchaus eine andere ist) und das “Ding” irgendwo in der Mitte, dass wir nach einem erfolgreichen Austausch verhandelt haben. Diese dritte wird dann (später) zu unserer angenommen (sprich konstruierten) Realität. Es geht um die „Neue Erwartungstheorie“, für die Amos Tversky und Daniel Kahneman den Wirtschaftsnobelpreis erhielten. Nicht, weil damit die Wirtschaft besonders schnell oder gut funktioniert, sondern weil die (auch psychologischen) Erkenntnisse sehr weitreichende Konsequenzen gerade für die Wirtschaft haben. Vieles aus den Forschungen ist bis heute sogar in bildgebenden, elektronischen Verfahren im Hirn nachgewiesen worden. Der Abstand von Theorie und Realität wird nachweislich kleiner … und auch der Abstand zum (agilen) Wunschdenken.

Neue Erwartungstheorie – und Ihre?

Die „Neue Erwartungstheorie“ geht davon aus, dass kognitive Verzerrungen das Verhalten in unsicheren Situationen beeinflussen. Ob gut oder schlecht ist hier nicht das Thema, die Verzerrung ist nur existent. Diese Verzerrung tritt ein, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Ausschlaggebend ist das Hervorrufen von Gefühlen und Intuitionen, die die Ratio zurückdrängen. Menschliches Handeln wird verstehbar, dessen Unvernunft verwunderlich bis irrational (wobei hier irrational scharf in den Bezug oder Vergleich ‚womit‘ gesetzt werden sollte) ist. Auch nicht alle Intuitionen von Fachleuten entspringen echtem Sachverstand. Was ist von einem Manager zu halten, der Aktien von VW kaufte, weil „die (VW) wissen, wie man ein Auto baut“. Der Manager vertraute seinem „Bauchgefühl“ und der Tageszeitung. Ebenso wird die Diskussion beendet, dass es den Homo Öconomicus in seiner reinen Form gibt.

Dass hierbei Irrtümer unterlaufen, erklärt wohl auch griffig, warum die Wirtschaftskrise 2008 von vielen Experten nicht vorhergesehen (gewollt) wurde. Einerseits, weil die Datenlage zu diesem Zeitpunkt nicht transparent war (zumindest behauptet) und andererseits, der Kaskadeneffekt, weil die vorhandenen Daten, die bekannt waren, einen Abwehreffekt des partiellen Negierens ausgelöst haben („das kann alles so nicht sein, oder?“). In der VUCA Welt: Doch, es kann sehr wohl. (Weiter unten dazu mehr). Es gibt kaum ein schöneres Bild zu dem häßlichen Spruch: „Gier frisst Hirn.“ als dieses, noch junge Ereignis. Die Gier ist eine Emotion, die das Hirn „besiegt“ hat.

2 Systeme … als Motor

In der neuen Erwartungstheorie wird deshalb zwischen 2 Systemen unterschieden. Das mühelos arbeitende, spontane und intuitive „System 1“ und das langsamere, rationale und analytische „System 2“, also S1 und S2. S1 kann S2 in so starkem Maße beherrschen, dass es nicht nur für die Wirtschaft fatale Folgen hat, sondern auch für zahlreiche andere Bereiche menschlichen Handelns. So verurteilten in einem Experiment Richter eine Ladendiebin zu einer längeren Haftstrafe, wenn die Richter zuvor eine höhere Zahl gewürfelt hatten.

Lassen sich solche Fehlentscheidungen vermeiden? Wenn wir akzeptieren, dass es dieses intuitiv arbeitende System 1 gibt, dann können wir besser mit ihm umgehen. „Wenn wir an uns selbst denken, identifizieren wir uns mit System 2, dem bewussten, logisch denkenden Selbst, das Überzeugungen hat, Entscheidungen trifft und sein Denken und Handeln bewusst kontrolliert.“ – glauben wir.

alles im Kopf – sehr unterschiedlich

Einfach mal die Brille ABsetzen, um die Zusammenhänge zu erkennen.
Einfach mal die Brille AB-setzen, um die Zusammenhänge zu erkennen.

Eine Aussage der Erwartungstheorie ist, dass System 1 der Hauptakteur ist. Die Brille „macht“ scharf, die Sachlage ist klar zu erkennen, So ist es, Punkt. Sagt das System 1 als Hauptakteuer – und schwupp, zum nächsten Thema. „Darin entstehen spontan, ohne langes Denken, die Eindrücke und Gefühle, die die Hauptquellen der expliziten Überzeugungen und bewussten Entscheidungen von System 2 sind. Sofern diese dann (also etwas später) auch wahrgenommen werden.“ Diese Mechanik kann gebremst werden, in dem Sie die Brille einfach mal absetzen und das Gemenge unscharf sehen. Nicht nur die Details oder das, was Sie „anspringt“. Dann passiert was im Kopf – das System 2 fährt hoch. Gut beraten ist, jetzt hier nicht nur das Gemenge, songern auch die Lage (= Gemengelage) drum herum zu betrachten. Meine persönliche Überzeugung drängt mir seit Jahren immer deutlicher den Verdacht auf, dass wir (alle) sogar daran selbst Schuld haben. Es ist das Streben nach „schnell, schnell“, was „gründlich“ und „mit Bedacht“ – tötet.

Sehen Sie sich in sich selbst mal um (Ihre Termine, Ihre eigene Verantwortung, Ihr Team, Ihr Chef, Ihre Firma usw.) – Sehen Sie sich draussen in Ihrem externen Horizont um. Ihre Freunde, Junge Mütter und Väter im Berufs- und Arbeitsleben – nach der Arbeit – was machen die da …? In meinen Worten: Immer mehr – von allem. Das ist Gier

System 1 greift deshalb so oft ein, weil es nicht abgeschaltet werden kann. Der Eindruck ist nicht von der Hand zu weisen, dass S1 das S2 beschützen will – vor Anstrengung. Es ist angeboren und arbeitet immer, schnell und mühelos. Oder hören Sie auf zu atmen, wenn Sie schlafen? Das ist S1, also wie der Strom eines (Not-) Aggregates, der immer und einfach da ist und auch da sein muss. System 2 hingegen muss willkürlich eingeschaltet werden und arbeitet langsam und angestrengt. Versuchen Sie mal im Schlaf die Wurzel aus 497*(14-65) * 7 zu berechnen. Geht nicht, das Aggregat, Ihr Hirn, genauer das Bewusstsein mit System 2, schläft. Es ist aus – ohne Strom. Eigentlich ganz einfach.

S1 erzeugt fortlaufend Vorschläge für seinen Kollegen S2: Wenn Eindrücke und Intuitionen von S2 unterstützt werden, werden sie zu Überzeugungen und Impulse werden dann erst zu willentlich gesteuerten Handlungen. Wenn alles rund läuft, keine Inkonsistenzen oder Widersprüche entdeckt wurden, macht sich S2 daran, die Vorschläge von S1 ohne ‘Gemecker’ fluffig umzusetzen. S2 wird auch aktiv, recht rebellisch sogar, wenn ein Ereignis eintritt, das gegen das Weltbild von S1 verstößt: bellende Katzen, schwarze Schwäne, jaulende Schränke, steppende Fische, etc …

Falsifikationisums Schwarzer Schwan
Falsifikation Schwarzer Schwan – ein Begriff, nicht nur in der Statistik

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