Sie brauchen (mehr) eigene Drogen, Schaltkreise der Motivation

Auf der Suche nach dem Kick

bis zur Erschöpfung

Schon 1954 und nur durch eine Zufall wurde dieses System entdeckt. Die US-Forscher James Olds und Peter Milner vom California Institute of Technology hatten für Experimente Laborratten auf dem Tisch – sie wollten neue Erkenntnisse über Lernprozesse gewinnen. Sie pflanzten den Ratten eine Elektrode ins Rattenhirn. Auf Knopfdruck gab diese leichte elektrische Ströme in das Hirn ab. Die Frage, wie und mit welchen Auswirkungen wird das Rattenhirn stimuliert, sollte beantwortet werden.

Doch als die Forscher bei einem Tier die Elektrode versehentlich im in einem falschen Areal anbrachten, folgte ein Überraschung: Immer wieder kehrte diese Ratte an den Ort des Geschehens. also die Ecke im Testaufbau, in der sie den Stimulus bekommen hatte, zurück – selbst noch am nächsten Tag. Die erste Vermutung war: Sie wollte und wartete auf weitere Stromschläge – nur warum?

Es wurde auf Basis dieser Beobachtung weiter geforscht und eine valide Gewissheit erarbeitet. Olds und Milner setzten ihre Ratten in eine Skinner-Box, einen speziellen, weitgehend leeren Käfig, den Forscher bei Untersuchungen nutzen, wenn sie beobachten wollen, wie die Tiere in der Box eine neuartige Verhaltensweise lernen. In diesem Fall enthielt der Käfig einen Hebel, den die Ratten selbständig betätigen konnten. Drückten sie ihn, so verpassten sie sich durch die eingepflanzte Elektrode selbst einen Stromschlag. Das Ergebnis war bemerkenswert.

„Alleingelassen mit dem Apparat, stimulierte das Tier nach 2-5 Minuten Lernzeit das eigene Gehirn regelmäßig etwa alle fünf Sekunden“, erläutert Forscher Olds seine Experimente einige Jahre später. Die Nager empfanden diese elektrische Stimulation, die sie selbst(!) auslösten, offenbar als angenehm, so wie eine Belohnung. Und das wiederum verstärkte das ‚erlernte‘ Verhalten, den Hebel zu drücken – immer wieder, bis zur absoluten Erschöpfung. Eine Endlosschleife und bemerkenswert: Selbst angebotenes Futter direkt in der Box, ohne jede Einschränkung, ließen sie unbeachtet. Einige Ratten brachen sogar zusammen, weil sie, anstatt ihren Grundtrieb, Fressen und Trinken, zu befriedigen, lieber den Glückshebel drückten. Hier lässt sich für die Kommunikation und jede Agilität etwas erstaunliches ableiten.

Vorläufiges Fazit: Sicht auf Arbeit

oder: agile, geile Zeit

Weder harte Arbeit noch eine geile Freizeit (-Gestaltung, achten Sie auf die Wortwahl), können glücklich machen. Schafft es ein jeder, die Agilität im Kopf (und das Hirn unterscheidet nicht zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit) für sich zu nutzen, also zu verstehen, dass jeder für seine eigenen Drogen (und den Auswirkungen daraus) selbst der Organisator, Beschaffer und auch Konsument, also verantwortlich ist, sind wir alle (gerade auch bei der agilen Arbeit) einen ordentlichen Schritt weiter.

Agiles ECO System mit lernen - ohne Null
Agiles ECO System mit lernen – ohne Null

Arbeit kann, muss aber nicht

Tauschen Sie bei ‚harte Arbeit‘ und ‚tolle Freizeit‘ die Attribute mal aus: „Geile Arbeit“ und „harte Freizeit“ – Sie haben bestimmt ein anderes Bild im Kopf. Arbeit kann Spass machen und Freizeit muss(te) demzufolge hart abgegrenzt werden – siehe oben. Unstrittig ist mittlerweile: Wenn im Kopf etwas passiert, also Strom, Impulse, Botenstoffe usw. (wie Gedanken, Ideen, Lösungen), dann ist das für den Kopf immer Arbeit (Beweis: Das Hirn ist der ‚Muskel‘, der bis zu 20% unserer täglich zugeführten Energiestoffe (Nahrung) verbrennt). Entscheidend ist, was SIE daraus machen und WIE Sie damit umgehen.

Das System: damit umgehen

In den folgenden Jahren und viele Tests später erstellten die Forscher eine detaillierte Karte des Belohnungssystems im Gehirn. Es besteht aus einer Reihe von Arealen und Nervenverbindungen. Haupt-Akteur im System ist der „Glücksbotenstoff“ Dopamin. Wissenschaftler sprechen daher auch vom mesocortikolimbischen dopaminergen Belohnungssystem (siehe weiter oben).

Das Ganze ist wie ein Schaltkreis: Ein Auslöser von außen, etwa der Anblick oder der Duft des leckeren Stückchens Schokotorte, lässt das limbische System reagieren. Es generiert einen Drang, den die Großhirnrinde als bewusstes Verlangen erfasst. Sie gibt dem Körper daraufhin die Anweisung, dieses Verlangen zu stillen. Ist das Verlangen gestillt, baut sich der Botenstoff im Hirn wieder ab. Da dieses Erleben lustvoll ist, suchen (~ Sucht, obwohl das nicht ganz korrekt ist) wir den nächsten Kick, finden diesen und der Kreis ist geschlossen. Genau so (s. BOX).

INFO-BOX: Ist der erste Happen im Mund und später der Magen gefüllt, treten das Tegmentum und die Substantia nigra im ventralen Teil des Mittelhirns in Aktion. Die Neuronen projizieren zum Striatum und zum limbischen System, etwa zum Nucleus accumbens, in dem das Glücksgefühl entsteht, und zur Amygdala, die Erregung verarbeitet, also affekt- oder lustbetonte Empfindungen, und schütten dort Dopamin aus. Außerdem gelangt der Botenstoff in den Hippocampus. Hier fließen die Informationen verschiedener sensorischer Systeme zusammen, werden verarbeitet und an den Cortex zurückgesandt. Der Hippocampus ist daher wichtig für das Gedächtnis und das Lernen. So kommt es, dass ein Kleinkind, nachdem es das erste Mal Schokolade genascht hat, immer wieder nach einer süßen Leckerei verlangt. Bitteres oder Saures wird es dagegen meiden. Zuletzt gelangt das Dopamin auch in die Großhirnrinde.

Konditionierung bei Kindern, stimmt das?

Ob gut oder nicht (es gibt dazwischen noch einen weiteren Zustand: existent; Dazu später mehr), werden, weil das alles mehr oder weniger umfassend bekannt ist, schon Kleinkinder darauf konditioniert. Die klare Abgrenzung ist, dass eine Konditionierung als (probates) Mittel durchaus ihren Sinn hat. So wie hier dargestellt zeige ich auf die Inhalte, womit und wofür belohnt wird. Ich bin der Überzeugung, dass es Zeit wird, diese Inhalte gegen bessere, agilere oder zumindest zeitgemäßere auszutauschen. Es ‚rieselt‘ (Muff?) aus unserem Bildungs- und Erziehungssystem. Und was hat das mit Agile zu tun? „Was Hänschen nicht lernt, wird Hans es schwer(er) haben, die Kurve zu kriegen …“ Oder konkret gesagt: „Kind, mach, was für dich gut ist (was gut ist, wissen wir Erwachsenen) und Du wirst belohnt.“

Agiles Lernen: Sternchen-Plan zur Konditionierung von Kindern - dien Inhalte sind fragwürdig.
Agiles Lernen: Sternchen-Plan zur Konditionierung von Kindern – Inhalt fragwürdig.

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