Scrumbug, Humban und Klarsicht-Methoden - It’s not the spice, it’s the cooking itself
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Kanban optimiert nur klassischen „Wasserfall“

  • „Wir dachten, wenn wir Kanban einführen und alles optimieren, dann arbeiten wir agil – irgendwie haben wir nur unseren bisherigen Waterfall optimiert.“

Ja, so kann es kommen. Hier liegt ein Wunsch-Trugschluss zugrunde. Kanban ist, mal ganz genau, isoliert und trocken gesehen, KEINE agile Methodik – und das ist das Problem (aus der Aussenwahrnehmung). Kanban wird gerne als „Methodik“ verkauft, ist aber ein Tool dafür – lesen Sie bitte erneut diesen Artikel -, denn es ist ein Trugschluss. Kanban ist mehr ein Change Management Prozess. Also Prozess mit seinen Elementen. Die Menschen darin führen diesen aus, ganz gleich (das mag jetzt hart klingen), ob sie diesen verinnerlicht haben oder nicht. Mit Kanban können Change Prozesse effektiv unterstützt werden. Kanban alleine macht die ausführenden Menschen nicht automatisch zu einem agilen Team.

Ich betone gerne und oft, dass Kanban „lean“ (sehr eindimensional: „schlank“) und nicht (ebenso gemeint: „flink, wendig“) „agil“ ist. Man kann lange (und es wird auch noch …) diskutieren über Gemeinsamkeiten von lean und agil. Es gibt Schnittmengen, aber agil kommt in lean so nicht vor. Es macht Sinn, denn Begriff „agil“ in Zusammenhang mit Kanban nur sparsam, am besten gar nicht zu verwenden.

Kanban startet vom „Status quo“ und Leute sträuben sich vor Veränderungen.

  • „Unsere Entwickler / Mitarbeiter wollen sich gar nicht verändern. Den „Status Quo“ sehe ich jeden Tag, wenn mein Blutdruck wieder fällt – mehr und genaueres will ich lieber überhaupt nicht wissen.“

Mit Werkssirene und Aushang führen wir etwas Neues ein, schulen die Kollegen / innen (‚Druckbetankung?‘) und danach haben sie sich daran zu halten. Vielleicht gibts noch einen Coach für ein paar Wochen. Das muss reichen – Oder wir tauschen sie aus (erst den Coach (wie beim Fussball), dann die Spieler (Leute) …). Eine wahrgenommene Reflexmechanik, die duch den gesellschaftlichen Automatismus nicht besser wird.

Beliebt und umgangsprachlich, bitte Sorry: “Kann man so machen. Dann ist’s halt kacke …”. Fakt ist: Es ist eine bewusst Entscheidung, ob gut oder nicht. Dann ist dies aber keine bewusste Entscheidung gegen Kanban. „Big Bang“ Einführungen mit Revolutionsknallerei habe in der Vergangenheit nicht immer funktioniert – insbesondere bei Teams, die schon lange zusammen schaffen. „Man kennt sich …“ Daher führt man Kanban begleitend ein, um Probleme und Bottlenecks aufzuzeigen und zu lösen.

Teams oder Gruppen von Personen sind meistens zu Veränderungen in der Lage, wenn Sie Probleme klar sehen. In der Praxis werden Change Prozesse, die durch neue Anforderungen notwendig wurden, auf bestehende Strukturen adaptiert – ohne einen nachhaltigen (!) Blick auf die darin befindlichen Menschen zu richten. Austauschen ist fix gemacht, nachhaltig ist was anderes. Eine der Kernfragen ist: Welche Veränderungen mit den vorhandenen Menschen ist möglich möglich oder sinnvoll? Auch hierbei hilft, nicht löst, Kanban.

Das Kanban Board wird nach einer Weile sowieso nicht mehr gepflegt

  • „Mit echtem Aufwand haben wir das Kanban Board (elektronisch oder analog an der Wand) erstellt. Aber nach kurzer Zeit war es schon nicht mehr aktuell. Irgendwie stimmte es auch nicht mit der Realität überein.“

In diesem Zitat stecken oberflächlich zwei Probleme, ist aber nur eins: Erst das Unterlassen (das Problem der Aktualisierung) und dann das Wundern mit dem Anprangern. Ich muss es hier wieder strapazieren: Ursache, Wirkung und Ergebnis.

Grundsätzlich gilt: Alle Kanban Boards verändern sich permanent – insbesondere am Anfang. Ich meine die Struktur und den Aufbau. Zwei oder drei Neuentwürfe kann es „kosten“, bevor ein Team eins findet, welches gut und für das Team(!) funktioniert. Deshalb: In den ersten Entwurf nicht zu viel Arbeit „reinstecken“, sondern lieber relativ rasch eins erstellen und es dann, nach und nach im Tagesgebrauch verfeinern. Stellen Sie daher zu Beginn sicher, dass Sie ein Board leicht verändern können. TIPP: Magnet Board, rote, magnetische Streifen, wasserlösliche Board-Stifte – das reicht für den Anfang.

Gerne gemacht, ein „beliebtes“ Problem und somit eine Wahrnehmungsverzerrung: das Kanban Board bildet nicht die Prozesse in der Realität ab. Zu Beginn wird es anhand dokumentierter Prozesse erstellt (Vergangenheit) und nicht anhand der gewünschten Realität (Gegenwart, Zukunft – und da soll es hin). Oder das Board wird zum „Wünsch mir etwas“ verbogen und zeigt somit, was man gerne hätte (aber real nicht hat).

Im täglichen Umgang wird dann sichtbar, dass das Board eigentlich nicht – oder nur schwer – zu aktualisieren ist. Ist die vorgenannte Verzerrung, und das ist das hinterhältige an dieser, erstmal da, klebt diese fest, da der Inhalt des Boards gewünscht, aber realitätsfern ist. Sofern das einem Mitarbeiter hier auffällt, Lob, Lob! Jetzt flexibel sein und das Kanban Board an die Realität anpassen. Die Realität, so wie sie wirklich ist – alles andere ist Humban. Zum Thema „Realitäten“ und „Wahrheiten komme ich später noch.

Die Aktualität verhält sich ähnlich – zeigt diese nicht die Realität (ist also laufend gepflegt), ist es nichts wert. Verstecke Bottlenecks? Wertlos. Sichtbare Störungen? Wertvoll – damit können Sie arbeiten und sich mit anderen Teams abstimmen. Also ist es extrem wichtig: Wenn Sie mit Kanban arbeiten möchten, muss es auch Personen geben, die das Board pflegen. Ist das Board nicht die Hauptinformationsquelle für die Realität, können sie alles mit Kanban – einfach sein lassen.

Ist Kanban also schwierig einzuführen? Ist der Aufwand zu hoch? Nein. Ich halte es für einen Irrglauben, dass sich Teams nicht verändern wollen, wenn sie Probleme erkennen (Ausname: Der Frustfaktor ist schon über 90% und das ganze Thema bereits hoffnungslos verfahren.) Weil Kanban bei der Ist-Situation ein- und ansetzt, ist es für mich eine gute Basis für ein Change Management). Der Aufwand ist vorne, im START und da kann ein Kanban-Experte gut helfen. (Über Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Agilsten / Coach und Mentor – den Sie hoffentlich im Einsatz haben.)


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