Ich & Anderen - Die Tricky Kommunikation

Eine provokante Analyse?

Primär geht es erstmal darum, die Umwelt des Empfängers so zu ändern, dass dieser zu einem Handeln stimuliert wird, das als Reaktion auf die ‚Angebote‘ des Kommunikators interpretiert werden kann. Was braucht es dazu (aus Sicht des Kommunikators in Bezug auf Adressaten): Aufmerksamkeit (siehe PROvokant), genauer: eine aktive Kopplung (Hinwenden, Hinschauen, Hinhören). Ob die Beobachter dann(!) zu Rezipienten werden (also den Gegenstand der Beobachtung verarbeiten / vertiefen), hängt ab von:

  • Attraktivität des Angebotes,
  • involvierten Faktoren,
  • sozialen Erfahrungen,
  • Wissensstrukturen.

Wenn diese Faktoren zutreffen, entsteht eine kommunikative Handlung – und auch schon deutlicher im geforderten Kontext. Können Sie das noch steigern?

Pragmatisch konstruiert

Der Beobachter wird zum Empfänger des Angebotes des Kommunikators. Je häufiger kommuniziert wird und je mehr Konventionen eingehalten werden, desto wahrscheinlicher wird der erfolgreiche Kommunikationsprozess (durch strukturelle Kopplung). Eine weitere Interpretation (Ernst von Glasersfeld) geht im Bezug auf den Radikalen Konstruktivismus etwas weiter: Es ist nicht möglich, durch Kommunikation Wissen direkt zu übertragen. Wenn A etwas sagt und dabei Begriffe benutzt, hört B zwar das, was A sagt, aber verbindet es mit seinen eigenen inneliegenden Konstruktionen, nicht mit den Konstruktionen des gesagtem. Daher ist das, was in A und B vorhanden ist, jeweils subjektiv (jeder hat sein eigenes Verständnis), erstmal unterschiedlich und bestenfalls miteinander kompatibel (wenn es um Wissen geht, welches A und B jeweils für sich erfolgreich benutzen).

Es besteht keine Möglichkeit zu überprüfen, ob diese subjektiven Konstruktionen von A und B übereinstimmen, identisch sind oder nicht. Und mit dieser These fliegt einem die irrige Annahme, wenn A was sagt, müsste B diesen verstehen, ordentlich um die Ohren.

Kommunikation_rational_simplifiziert
Kommunikation: Falsch verdrahtet & durcheinander

B baut bei ihm unbekannten Begriffen selbst ein Begriffssystem auf, was dem von A möglichst wenig widerspricht, möglichst kompatibel ist zu dem, was A gesagt hat. Widersprüche werden erst sichtbar, wenn beide mit diesem so ‚übertragenen‘ Wissen zusammen an einer Aufgabe arbeiten.

Widersprüche im Verstehen

Werden diese Widersprüche ausgeräumt, wird Wissen ‚intersubjektiv‘ (Wissen, was auch von anderen erfolgreich benutzt wird). Dadurch wird es aber nicht wahrer oder gar objektiv. Es wird nur handhabbarer, mehr nicht. Beispiel: A sagt ‚Stein‘. In seinem Wissen ist alles für ihn wichtige und mögliche über Steine. Eben seine(!) Konstrukte, seine Erfahrungen mit Steinen, das woran er denkt, wenn er Stein für sich re- präsentiert (bei v. Glasersfeld bewusst mit Bindestrich). B hat aber sein (eigenes) Wissen über Steine, mit dem er seine Erfahrungen zum Begriff Stein(en) verbindet. Diese sind anders. A ruft nun über die Sprache in B dessen Re- Präsentation über Steine auf. Beide können auf Grund ihrer jeweils individuellen (subjektiven) Erfahrung über den Stein/Steine reden. Wenn sie feststellen, daß sie beide die Erfahrung gemacht haben, daß Steine hart sind, dann wird dieses Wissen: ‚Steine sind hart‘ intersubjektiv. (Hintergrund, Wikipedia.)

Ein Fazit ist möglich …

Es gibt nach der Vorstellung des radikalen Konstruktivismus keine allgemeingültige, objektive Wirklichkeit, sondern immer nur eine subjektive Wahrnehmung, die von unterschiedlichen internen Faktoren geprägt ist. Dies bedeutet für die Kommunikation, dass Information nicht mehr als Informationspaket von A nach B definiert wird (wie beispielsweise im EDV-techn. Kommunikationsmodell (Sender-Empfänger-Modell) von Claude Elwood Shannon und Warren Weaver oder im weiteren Sinne auch im Feldmodell der Massenkommunikation nach Maletzke), sondern dass sie vom Zuhörer nach Regeln, biologischen Konditionierungen und kulturellen Einbettungen erst erzeugt wird. Zwei bekannte Vertreter eines radikal konstruktiven Modells sind Paul Watzlawick und Friedemann Schulz von ThunPROvokant, aber genial.

und subjektiv betrachtet

Und jetzt sehe ich das mal ganz pragmatisch: Dem Pragmatismus zufolge sind es die praktischen Konsequenzen und Wirkungen einer lebensweltlichen Handlung oder eines natürlichen Ereignisses, die die Bedeutung eines Gedankens bestimmen. Dabei ist das menschliche Wissen für die Pragmatisten grundsätzlich fehlbar (Fallibilismus). Entsprechend wird die Wahrheit einer Aussage oder Meinung (Überzeugung) aufgrund der erwarteten oder möglichen Ergebnisse einer Handlung bestimmt. Die menschliche Praxis wird als ein Fundament auch der theoretischen Philosophie (also insb. der Erkenntnistheorie und Ontologie) verstanden, da vorausgesetzt wird, dass auch das theoretische Wissen dem praktischen Umgang mit den Dingen entspringt und auf diese angewiesen bleibt. Ohne einen der namhaften Denker und Philosophen (der frühen, späteren und aktuellen Geschichte) hier zu vergessen, ist mir ein kleines Werk von Andreas Kemmerling (* 21. Februar 1950 in Bad Homburg), ein deutscher Philosoph., in die Hände gefallen: Die „Pragmatische Wahrheit. Was uns im Leben weiterbringt“ (PDF; 2,6 MB), zu finden in der Wikipedia. Lesenswert (die anderen bedeutenden Bücher kennen Sie bestimmt alle schon …)

Die Lernkurve …

(Nur) gesagtes ist oft Schall und Rauch. Mich interessiert das Feuer, das diesen verursacht hat. Ich höre und sehe noch besser hin – und nehme mit, um mir mein eigenes Urteil mit z.B. nach- denken zu bilden. Damit bin ich näher an Ursache und Wirkung, wozu ich später noch schreibe. Und es hilft allen Beteiligten in der Kommuniaktion.


1 Kommentar

Kommentare sind geschlossen.

  1. […] wie kann dann Vertrauen gewonnen werden? Indem (genau wie hier) die Erwartungen erfüllt werden, die der vertrauenssuchende Mensch gestellt hat. Mit […]

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