Ich & Anderen - Die Tricky Kommunikation

Ein Trick der Kommunikation

Kommunikation analysiert

Steigen wir mal gleich „straight“ ein und direkt in das Thema: Der Philosoph und Psychologe Paul Watzlawick verfasste die 5 wichtigen Axiome der Kommunikation. Die sind und ich denke auch bekannt:

Ich meine, wer Kommunikation auf Sprache reduziert – verliert.

Der (erste?) Trick in der Kommunikation: Erstmal zuhören …

In meiner Arbeit habe ich mir angewöhnt (ich habe es gemerkt, wie wichtig das ist), mehr auf 2 Dinge zu achten. Das ist: Was NICHT gesagt wurde, denn dafür gibt es einen Grund und was wie in welchen Kontext gesagt oder auch nicht gesagt wurde. Hier ist der Kontext das erste Indiz, um den Inhalt besser in den selben einsortieren zu können. Hier die Axiome:

  • „Man kann nicht nicht kommunizieren!“ Wer ist „Man?“ Lebt dieser oder nicht? (‚Man‘ setzt nach meiner Interpretation im Kontext ein ‚Leben‘ vorraus. Somit könnte man nur in der Abwesenheit von ‚Leben‘ nicht kommunizieren, wobei dieser Kontext schon wieder Kommunikation ist, weil er eine Aussage beinhaltet. Schwierig. „Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei die Beziehung den Inhalt bestimmt (siehe auch Metakommunikation).“
  • „Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung.“ *
  • „Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger ‚Art und Weisen (im weiteren Sinne)‘ und meint damit (u.a.) diejenigen, wie eine Aussage in Bezug auf das Wissen des Aussagenden, der Zeit oder des sollens wahr sein kann. Digitale Kommunikationen sind oft komplex, aber dafür logisch und haben eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik. Analoge Kommunikationen haben semantisches Potential, dafür fehlt oft für die Eindeutigkeit die Logik.“ ** Kurz: Der Logik fehlt die Kognition, der Emotion fehlt die Logik.
  • Meine eigene These: Kommunikation hat a) nichts mit dem um sich greifenden „Digital-Authismus“ und b) doch sehr viel damit zu tun. Mit Digital-Authismus ist hier eine Entwicklung in modernen Arbeitswelten gemeint, wo Chats, Bots, Mail u.ä. elektronische Helferlein Überhand nehmen. Ich meine Überhand zu Lasten eines ehrlichen, persönlichen und wertschätzenden Gespräches – Vis-à-vis. Hier sehe ich immer öfter eine „Vermeidung“, um sozial zu interagieren. Das hat unsere eigene Evolution SO nicht vorgesehen.
  • „Kommunikationsabläufe zwischen Teilnehmern sind entweder symmetrisch oder komplementär. Je nachdem, ob diese zwischen zwei gleichberechtigten Partnern oder von Teilnehmern auf unterschiedlichen Hirarchistufen geschieht.“

* … und verursacht Aktion und Reaktion. In meiner Welt, meinen Interpretationen fehlt ein entscheidender Aspekt. Dazu habe den Artikel PROvokation geschrieben. Deshalb: ** Die akzeptierte Form der PROvokation  macht Kommunikation erst möglich, die nonkonforme Form, die Lernen und Reflektion erst antriggert, oft schwierig.

Das ist nach meiner Ansicht eine, sagen wir erst mal, allgemeingültige Basis – und, aus aktuellen Entwicklungen betrachtet, zu kurz gesprungen. Mir fehlt, und da stütze ich mich auf eigene, subjektive Erfahrungen, der Aspekt des Kontextes. Also der Rahmen, wie eine übergeornete Klammer, IN dem, was, wie von wem wohin in welcher Absicht kommuniziert wurde.

Angeregtes Gespräch im vis-a-vis mit Kontext
Angeregtes Gespräch im vis-a-vis mit Kontext und ohne Strom (-Kabel …)

Ich meine den Kontext, IN dem die Kommunikation stattfindet. Ich möchte behaupten, das der Kontext das 6. Axinom ist, das jeder Kommunikation eine weitere Ebene hinzufügt. Ob das neu oder wissenschaftlich fundiert ist – bisher habe ich dazu wenig brauchbares gefunden. Wie komme ich zu diesem Thema? Mir gefallen die Überlegungen des radikalen Konstruktivismus an dieser Stelle.

Wo ist denn der Kontext?

Konstruktivismus? Der sagt aus, dass eine Wahrnehmung kein Abbild einer bewusstseinsunabhängigen Realität liefert, sondern dass Realität für jedes Individuum immer eine Konstruktion aus Sinnesreizen und Gedächtnisleistung darstellt. Deshalb ist eine Objektivität, die die Gleichheit von wahrgenommenem (konstruiertem) Bild und Realität ausdrücken sollte, unmöglich; jede Wahrnehmung ist vollständig subjektiv. Darin besteht die Radikalität (ohne Kompromisse) des radikalen Konstruktivismus … das ist PROvokant. Und nähern uns damit auf Umwegen wieder dem Kontext. Dieser Kommunikationsansatz geht nicht von einer direkten Bedeutungsübertragung aus, d. h. erstmals gibt es keinen direkten Kanal mehr zwischen Kommunikator und Rezipient (bzw. zunächst Beobachter). Der Gesamtprozess der Kommunikation zerfällt dabei in zwei Hälften:

  • Das Handeln von Kommunikatoren (also Sender)
  • Das Handeln von Beobachtern (hier: Empfänger – die Leser, Zuhörer, Zuschauer, Benutzer oder Rezipienten)

Damit sind Kommunikator und Beobachter nicht mehr Beteiligte an demselben Vorgang, sondern Akteure, die – jeweils unter ihren eigenen, unbestreitbaren Ausprägungen (Wissen, soziales Umfeld etc.) – bezogen auf den Anderen handeln. Der Prozess läuft dann so ab: Kommunikatoren machen spezifische Angebote: Sie PROduzieren Kommunikat-Basen (Bild, Schrift, Sprache), die sie mit Eigenschaften (Tags) (thematischer, stilistischer, referentieller etc. Art = Inhalt) des Kommunikats ausstatten. Beides zusammen (Struktur und Inhalt) ergibt ein Kommunikat. Ob und in welcher Weise diese Angebote von Anderen wahrgenommen oder mit Reaktionen berücksichtigt werden, ist unklar (z. B.: Eine Bitte löst nicht unbedingt die erwünschte Handlung aus.)


1 Kommentar

Kommentare sind geschlossen.

  1. […] wie kann dann Vertrauen gewonnen werden? Indem (genau wie hier) die Erwartungen erfüllt werden, die der vertrauenssuchende Mensch gestellt hat. Mit […]

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