Boomerang in Ihrer Hand mit Gescheites scheitern

Agil macht glücklich!

Gut, wir arbeiten schon agil. Scrum und so, vielleicht Kanban, und Produktentwicklung nach Lean Startup Prinzipien. Fehler machen wir auch nicht – das gibt Mecker. Und Ja, die Überschrift ist überspitzt …

Nochmal: Das Abhaken einer Checkliste mit agilen ToDos und pseudo-agilem Firlefanz als Punkte zum Abhaken bleibt eine schnöde Checkliste. Punkt. Checkliste abgefrühstückt, Sodbrennen (Glück gehabt?) ist ausgeblieben. Und morgen die nächste, gleiche Checkliste. Herr Taylor grüßt nett und freundlich von da hinten. Fehler? Seitens des Herrn Taylor bestimmt nicht.

Und so Privat, also nicht Arbeit? Haben sich agile Philosophien schon in Ihren gut behüteten, privaten Alltag oder gar Freizeit eingeschlichen? Oder Ihr Leben (an welcher Kante auch immer) verändert und euch vielleicht sogar zu einem etwas glücklicheren Menschen gemacht?

„Das geht ja gar nicht!“ höre ich deutlich, „das fehlte ja noch! Bleibt mir weg mit diesem Firlefanz und pseudoreligiösen Gefasel – steckt da nicht diese Kaizen-Sekte dahinter? Alles Manipulation! Arbeit gehört ins Büro und auf die Firma, zu Hause kommt mir sowas nicht hin. Hier mache ich was ich will!“ Auch gut und widerspreche ich nicht. Ich mache auch kein Trello-Board für das Einkaufen (wenn der Prozess des Einkaufens, also der Lust-Anteil (siehe Windowshopping), und das kommt, von der eigentlichen Mittelbeschaffung abgetrennt ist – und Amazon macht es vor …); Ich mache privat nur selten eine priorisierte Task-Planung für die nächste Woche (denn es kommt ja doch anders, also spare ich die Zeit), ich führe keine Retros mit meiner Frau durch (nein, auch nicht nach S..!) und an unserem Kühlschrank hängt oder auf Google Notizen steht höchstens ein (Klebe-) Zettel mit der aktuellen Einkaufsliste, aber keine Tasks. Trotzdem hat die agile Philosophie nicht nur mich, sondern auch meine Frau, meine Sicht auf die Welt und die Emergenz dazwischen und damit wohl auch mein Leben verändert. Zum Beispiel im Umgang mit Fehlern.

Kultur direktiv verändern: Falsch Entschieden = Misserfolg!

Tot investiert – diese Begriffe sind fragwürdig

Jetzt mal PROvoziert: Wie (genau) Sind Sie zuletzt (mit sich selbst, mit einem Mitarbeiter oder Chef) umgegangen, wo Sie einen Fehler gesehen, bemerkt oder gespürt haben? Alles lästig, dieses Gefasel, aber eben auch alles preußisch normal und doch nicht zu vermeiden – also der Fehler.

Dumm ist: Ärgern, also eigene emotionale Energie aktivieren, dass ich Zeit, Geld und / oder Nerven verschwendet habe, wo es doch so viel einfacher hätte gehen können. Hätte, ist aber nicht. Ich kann mich ärgern, dass ich DIE Chancen verpasst habe, dass ich jetzt mit einer zweitbesten oder suboptimalen Lösung leben muss und mich jedes Mal erneut darüber ärgern – siehe vorheriger Absatz. Addieren Sie bitte mal, was da an Ärger zusammenkommt – alles Energie, die entweder weg oder für etwas besseres verwendbar wäre – ist sie aber nicht. Die Energie ist weg. Echt.

Das ist der andere Weg, der, wie vermutet sich im Kopf abspielt: Ich kann es aber auch einfach akzeptieren. Warum? (Zeitstrahl-Mechanik): Auf dem Stand meines und damaligen Wissens habe ich (rückblickend) die beste Entscheidung getroffen, die mir möglich war Denn:

Neue Kultur: (Mis(t)-) Erfolg!

Ich konnte (= Logik) damals nicht wissen, was ich später, also jetzt weiß, und deshalb konnte ich aufgrund dieser (= lückenhafte Faktenlage) nicht die Entscheidung treffen, die ich heute treffen würde oder zu der ich heute fähig bin. Und das lassen Sie bitte einfach mal wirken.

Jetzt, hier und heute, weiß ich mehr, und heute oder beim nächsten Mal kann und werde (das ist verstehen + agil + lernen + machen) ich es besser machen. Es bleibt ein mittlerweile noch kleineres Risiko, dass ich auch beim nächsten Mal einen kleineren, anderen Fehler mache, und beim übernächsten und darauffolgenden Mal auch. Aber ich habe die bewiesen unstrittige Chance (hört sich etwas komisch an), vielleicht „bessere“ Fehler zu machen, klügere, mit Sicherheit aber geringere Fehler. Für alle (Nicht-)Agilsten: So geht eine Iteration, das ist „verstehen + agil + lernen + machen“.

(Un-) sinniges Spannungsfeld – gelöst

Beide Seiten (links, rechts und die Qualität mitten drin) haben ihre Berechtigung. Ist das jetzt alles Neu – beim Alten? Zu gerne (und oberflächlich) wird einerseits gesehen und behauptet, dass ein schneller und billiger Prototyp nicht herzustellen ist. Andererseits wird der Erhalt einer verlässliche Planung eines Produktreleases mit einem definierten Set an Eígenschaften (mit diesem klassisch vortrefflich hervorragend Calc-Sheets, Project-Wasserfälle und Power-Folien für den nächsten Q.-Bericht gefüllt werden) gefordert. In pre-agilen Zeiten ging es duch auch – irgendwie? Klare Ansage, Klare Teilung, wenig Probleme, straffe Tagesordnung. Taylor legte und seine Verfechter postulierten damals und heute in ihrem Konstruktivismus eine planerische Dissonanz: Es kann sich nur in eine Richtung verändern: Schneller, höher, weiter, kleiner, … Und das tut es nicht. Es sind Menschen, die das alles machen (auch die Industrie 4.0 wurde von Menschen gemacht, deshalb findet diese ja auch nicht erst statt, sonder ist seit über 10 Jahren schon da – und die wenigsten haben es gemerkt …).

Wie jetzt und kann das so sein? Falsche Frage, es ist bereits so. Oh Schreck: Entwickeln wir uns mit Agilität zurück? Ich sage Nein – aber anders, als die Postulate der letzten Jahrzehnte (Klassische Management Lehre, Universität Pfefferminzia, Hörsaal 08.15, 3. OG) uns weiß machen wollen. Der flächendeckende Change hin zu agilem Vorgehen erfolgte nicht aus Spass and der Freude mit einer Prise (R)Evolution und weil es nur schön ist.

Sehen und hören wir hin, in das Verhalten:

Zuvor wurde ausschließlich das Business in den Fokus gestellt (was nicht sagen soll, dass dies zu Gunsten des zahlenden Kunden, also der Wirtschft geschah). Denken Sie bitte dabei an alle Auswüchse, ob sinnvoll oder nicht, denen Sie schon begegnet sind. Wenn Sie nur 1x das mulmige Gefühl hatten, eins davon ist Unsinn, Humbug oder den latenten Drang verspürten, das mache ich jetzt nicht mit – haben Sie den ersten Keim der Agilität schon in sich. SIE (in Person) sind der Ausführende, mit Ihrem Verhalten. Mit der ersten agilen Welle verschob sich der Blickwinkel recht drastisch auf technisches ‚Zeugs‘. Das ist schon (ganz) gut und notgedrungen so, weil heutige Businessmodelle immer techniklastiger werden (Da ist sie wieder, die Industrie 4.0). Doch jetzt ist es Zeit für die nächste Stufe: Alignment.

Diese Gegenüberstellung zeigt klar, dass Probleme auftreten werden, wenn Business, Entwicklung und Technik nicht nahe genug zusammenarbeiten. Die tayloristischen Silos (Mitsamt dem bildungsbasiertem, aber letztendlich konditionierem Denken und Verhalten aus dem letzten Jahrtausend) wirken sehr mächtig, das Infragestellen dessen fast unmöglich. Und doch: Es gibt bereits a) etablierte Stimmen und b) Ansätze, das besser zu machen.)

Es geht um die gemeinschaftliche Co-Kreation in einem Rahmen exponentiell dynamischer werdenden Rahmenbedingungen, die wir alle selbst geschaffen haben, nicht um das Abarbeiten von Anforderungslisten und dem Bau von Charts, Folien und Quartals-Reporting. Das ist der sogenannte Blick über den Tellerrand. Nur gemeinsam sind wir alle gewappnet für die noch kommende Anforderungen, was gemeinhin (leider auch oberflächlich – Aussnahmen bestätigen die Regel) mit „Digitalisierung“ beschrieben wird.

Mit dieser nächsten Stufe, die schon da ist(!), kommen wir dahin, dass Qualität weder Dogma noch ein Jiu Jitsu (jap. 柔術, Selbstverteidigung) sein muss, sondern pragmatisch sein kann oder sein sollte. Pragmatismus, das Fundament jeden agilen Vorgehens, was nicht in unerheblicher Masse auch auf Menschenverstand und jahrelanger Erfahrung basiert und somit auch eine Frage von Vertrauen und Verständnis zwischen Business und Technik ist.

... und dann das kritische hinterfragen

Also doch: Fest Halten

Agilität ist also weniger ’noch mehr machen‘, also der mechanische Teil, es ist eine Kulturfrage! Kulturen, quasi als Produkt oder Ergebnis, entstehen aus Geist, Kritik, Einsicht und Lehre, die dafür (erst) investiert werden (müssen). Es ist somit keine Methode – Wie der Bauplan eines Boomerangs (siehe Video: Das Teil fliegt nicht, und kehrt auch nicht zurück, wenn es, schlampig oder verpfuscht in der Ausführung, geworfen wird). Es ist ein Mindset! In der Agilität ist ein gemeinsames Team wichtiger, als das Produkt. In der Emergenz genau dieses Teams ist es zu suchen: Das Produkt, (das ein einzelner (Mensch) so nicht fertigen kann …) Die Happiness des Einzelnen, somit des Teams, ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Es sind Menschen, die das leisten. Menschen, die sich schlecht fühlen oder oberflächlich behandelt werden, können(!) nicht ihre Höchstleistung bringen. Weil sie mit Ihren eigenen Gefühlen und den eigenen Reaktionen eines oktruierten Verhaltens sich selbst behindern. Ganz einfaches Beispiel: Nehmen Sie Ihr Smartphone, starten Youtube, 2 Messenger und eine Office Suite, dann eine Photobearbeitung und versuchen, Ihre letzten 30 Photos auf dem Gerät in einem Batch mit Kunstfiltern zu bearbeiten. Ja, eine (ungewöhnliche) Situation beim Smartphone.

Und genau das passiert im Kopf eines jeden Menschen, jeden Tag. Dieses Verständnis zu diesem Verhalten ist wichtig(er) als der schnelle, wirtschaftlicher Erfolg. Mal bis zum Ende gedacht: Das Business kann planen so viel wie es will – wenn die Menschen weg sind oder gar nicht erst kommen (antreten, sich einstellen lassen), diese Arbeit zu machen – ist das Business nicht die Folien wert, auf dem es steht. Klingt doof, die Umkehr kann aber im ‚longterm‘ schlau sein. Weil das Erkennen des Verhaltens die Frage, ob ich es behalten will, nachhaltig prägt und weil miteinander und voneinander Lernen der Schlüssel zum Erfolg ist.


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