Ein Bogen: Vom Frühwarnsystem zum Wahrnehmungsfilter und wie diese wirken, hell hören

für selektive Wahrnehmung

Eine selektive Wahrnehmung ist die Situation, in der Sie eingehende Reize sortieren und nur bestimmte Informationen in das Bewusstsein gelangen lassen. Die Wahrnehmung als solchens bezeichnet übergeordnet die Gesamtheit aller Reize. Also die Reize (Trigger), die aus der Umwelt (von aussen) kommen als auch Reize, die in Ihnen selbst entstehen oder in Ableitung der äusseren Reize erzeugt werden.

In Summe betrachtet unterscheidet sich die innere von der äußeren Wahrnehmung. Schon alleine aus dem Grund, dass Sie äußere Reize willentlich „ignorieren“ können, Reaktionen auf innere Reize aber nur schwer. Diese Abgrenzung ist abhängig von unterschiedlichen Faktoren, denen Sie jeden Tag auf’s Neue ausgesetzt sind. Nehmen wir Ihre Stimmung, das Wetter oder ihr Wohlbefinden (jetzt in diesem Moment). Weiterhin auch ihre Erfahrungen, ihre (trainierte) Aufmerksamkeit oder ihr derzeitiger Fokus auf ein bestimmtes Thema.

Ein Beispiel? Sie wollen sich ein Auto kaufen und durch irgend einen Umstand sind Sie bei einer Marke und einem Modell ‚hängen‘ geblieben. Das Wie spielt jetzt hier keine Rolle. Beobachten Sie sich mal selbst: Sie sehen plötzlich immer öfter dieses Auto auf den Strassen, in Gesprächen fällt ganz beiläufig die Bezeichnung und Sie hören punktuell genauer hin und komischerweise wird genau dieses Modell in den Fachzeitschriften gerade getestet (wobei Sie die üblichen Gazetten eigentlich gar nicht lesen …). Merkwürdig?

Ihre Erwartung – ist subjektiv

Es ist ja ihre. Meine ist anders. Auch ihre momentanen Erwartungen sind ein wesentlicher Bestandteil, der ihre Wahrnehmung selektiv werden lässt. Aufgrund ihrer aktuellen Aufmerksamkeit werden bestimmte Aspekte aus der Realität ausgewählt und andere abgewählt, ich schrieb bereits darüber. Diese sind dabei nicht abhängig von der Beschaffenheit des Reizes. Vielmehr wird die Auswahl von Wünschen, Bedürfnissen, und Trieben beeinflusst. Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl sind auch Normen und Werte einer Person. Sie wurden durch die Erziehung, durch Medien und durch persönliche Lernerfahrungen gebildet. Hier zeigt sich schon erstmalig der generelle Unterschied, der später, erst recht in der Agilität, Aufgaben zur Transformation komplex macht. Damit verbunden sind Vorstellungen über Menschen oder Objekte. Die Einstellungen sind ein psychischer Effekt, der das Leben erleichtert. Sie geben Orientierung und Sicherheit in alltäglichen Situationen. Das ist ihr persönliches, sich ständig änderndes Einstellungssystem und wirkt, grob gesagt, wie Filter. Oder anders gesagt in Bezug auf das Beispiel: Andere Autos und Modelle, selbst die, die interessant sein könnten, nehmen Sie kaum noch wahr.

Somit erhalten hauptsächlich jene Reize, die in ihr Einstellungssystem passen, ihre vordergründige Aufmerksamkeit. Und: Könnte es sein, dass dadurch eine Verzerrung der (Gesamt-) Wahrnehmung entsteht?

sortierte (Ge-) Wichtung

Diese unterschiedlich gewichteten Wahrnehmungen können schnell zu Klischees, und Stereotypen und Generalisierungen (wie im NLP bekannt) führen. Die Einstellung zur Wahrnehmung können über Methoden, eine habe ich hier weiter oben dargestellt, verändert werden, so dass sich die Wahrnehmung selbst verändert. In meiner Welt ist die nach innen gerichtete Wahrnehmung oft ein Ergebnis von Reizen, die von aussen auf mich treffen. Und doch:

Die selektive Wahrnehmung ist von Hause aus positiv – und evolutorisch so gebaut (worden), denn das menschliche Gehirn ist kapazitiv nicht in der Lage, alle Reize weder gleichzeitig nach nacheinander zu verarbeiten. Es würde zu einer Reizüberflutung (Tilt im Kopf) kommen (basierend auf Ergebnissen der Lern- und Hirnforschung). Leiderweise gibt es auch ein Krankheitsbild dazu: Menschen, bei denen dieser Automatismus defekt ist oder fehlt. Nur zur Verdeutlichung: Nach meinen Recherchen werden pro Sekunde um die 11 Mio. Sinneseindrücke im Hirn verarbeitet. Ca. 40 davon (immer noch pro Sekunde) nehmen wir bewusst war. Diese teilen sich derzeit auf 7 klassifizierte Sinne auf:

mit und durch Sinn(e)

Den Sehsinn (Augen), der Geruchssinn (Nase), der Gehörsinn (Ohren), der Haut- oder Tastsinn (Haut), der Geschmackssinn (Zunge), der Bewegungssinn (Ortung im Raum) und den Gleichgewichtssinn (Stäbilität). Nehmen Sie 86400 Sekunden pro Tag als Multiplikator … Wo sollen denn diese Daten alle hin?
Durch eine Selektion und / oder Sortierung wird das zielgerichtete Handeln überhaupt erst ermöglicht. Darüber hinaus erfolgt eine Unterscheidung zwischen wichtigen und unwichtigen Reizen, so dass adäquate Reaktionen daraus ermöglicht werden. Weiter werde ich in dieses spannende Thema nicht vordringen, deshalb schliesse ich den Bogen zu den Frühwarnsystemen.

und alles beeinflussbar …

Die Wahrnehmungen sind das eine, die (ungewollte) Beeinflussung das andere. Und was liegt in der Mitte? Die gewollte Steuerung, die Sie selbst einsetzen können, um Ihren Fokus zu behalten (der in den anderen Fällen sehr schnell verloren geht). Lassen Sie auf Gedankenspiele‘ mit mir ein?

Ich beeinflusse Sie hier beim Lesen (Fokus) mit einigen Zitaten und möchte Sie einfach mal bitten, zu beobachten, was die Zitate mit Ihnen, Ihrem Gedankefluss und Ihren inneren Wahrnehmungen so anstellen:

  • Es ist keine Schande nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen. Sokrates (um 450 v.Chr.)
  • Immer lernt der Kluge vom Dummen mehr als der Dumme vom Klugen. Peter Rosegger (*1843; †1918)
  • Das Recht auf Dummheit wird von der Verfassung geschützt. Es gehört zur Garantie der freien Persönlichkeitsentfaltung. (Marc Twain, *1835; †1910)
  • Man trifft wesentlich mehr Dumme, die sich für klug halten, als umgekehrt. (Unbekannt)
  • Ein dummer Mensch macht zu allem eine Bemerkung, ein kluger bemerkt alles. (Heinrich Heine, *1797; †1856)
  • Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. (Kurt Tucholsky, *1890;
    †1935)
  • Der Mensch ist von Geburt an gut, aber die Geschäfte machen ihn schlecht. (KonFuZe; um 500 v.Chr.)
  • Der Weise lässt was er nicht tun kann. Nur der Dumme tut was er nicht lassen kann. (KonFuZe; um 500 v.Chr.)
  • Ich verliere nicht. Entweder ich gewinne – oder ich lerne. (zugeschrieben Nelson Mandela, * 1918; † 2013)

Es geht nicht um den Inhalt als solches, sondern um das Wahrnehmen. Dumm ist die Summe aus nicht lernen (wollen / können) und dem behaupteten und unbewiesenem Unvermögen, jede Veränderung (un-) bewusst aufgrund mangelnder Urteilskraft zu meiden oder zu unterlassen. Auf dieser Basis, und schon hat das Beeinflussen funktioniert, habe ich Ihren Fokus auf das Thema „Dummheit“ und Auswirkungen gelenkt.

Näher am objektiv

Schon wieder „reingelegt“. Ich meine objektiv und nicht das Objektiv. Sie haben einen Überblick bekommen, was so alles an Wahrnehmungen auf uns einwirkt. Die Menge an Informationen ist nicht mehr sinnvoll zu verarbeiten. Und doch: Wir müssen, auch und gerade im agilen Kontext, neue, ungewöhnliche und auch ungewohnte Entscheidungen (auf Basis aller, ob gefiltert oder nicht, Informationen) treffen. Gerade im Berufsleben muss, und jetzt haue ich mir eine Generalisierung raus, „alles gestern und effizenter / effektiver und natürlich billiger“ erreicht werden.

Ein STOP ist, so einfach auch das Ampelschild dieses Artikels zu verstehen ist, kaum möglich. Es hilft der bewusste STOP (-Ruf im Kopf), in der Flut der Wahrnehmungen, sofern Sie zu den Dingen, die Sie beschäftigen, die richtigen Fragen, und die dann richtig stellen. Nach dem STOP. Und mit Tonation. Vorschlag: Alle einzeln, also sequentiell und einfach auf Ihre Antworten, die Ihnen Ihr Bewusstes und auch Unterbewusstes anbietet, warten und dann zu hören bzw. zuzuhören. Das ist dann „hellhörig“ sein. Es wird hell – (im Kopf) und man hört die Antworten besser. In der Wissenschaft ist dieser Effekt als schnelles und langsame Denken bekannt – dazu später mehr.


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