Die glorreichen 7 (Bedürfnisse wahrnehmen)

Zur Hygiene gehören alle Merkmale eines Arbeitsplatzes, die dafür sorgen, dass Arbeiten und die Aufgaben reibungslos verlaufen. Der Mitarbeiter betrachtet seine Stelle und Funktion als neutral und empfindet keine Abneigung (aber selten Zuneigung). Auf einer Skala von -10 über 0 nach +10 ist das so um den Nullpunkt. Das Vorhandensein einer Hygiene erzeugt keine besondere Zufriedenheit – fatal ist: ihr Fehlen jedoch führt zu Unzufriedenheit. Die Zufriedenheit sieht bei den Motivatoren in den Abstufungen etwas anders aus. Diese Faktoren beinhalten Merkmale wie Aufstieg, Erfolg, Erlebnisse, Selbstverwirklichung und gefühlte Verantwortung. Das sind Attribute, nach denen Menschen bewusst streben – hier steckt etwas von dem Wort Karriere drin.

Fehlen sie bei einer Arbeitsstelle, nicht Arbeit, (also über einen längeren Zeitraum), erzeugt das nicht direkt Unzufriedenheit. Nur: Der Mitarbeiter betrachtet sich auch nicht als besonders zufrieden oder anders gesagt: motiviert. Sind die Merkmale jedoch vorhanden, führen sie zu einem bewusst wahrgenommenen Gefühl der Zufriedenheit – und somit zu Motivation.

Erstes Fazit, linear und nicht vermischbar

Die Hygiene-Faktoren liegen nach meiner Sicht unterhalb der Motivatoren. Also ist es sinnlos, auch als Agiler Coach, Kollegen und Mitarbeiter in der Führung tot zu motivieren. Wie in diesem Bild: Kein Boden, keine Pferde, keine Reiter = Fehlanzeige. Und nebeneinander nützt dann auch nichts.

Der (2.) Klassiker: Nicht nur Western, sondern Helden, Lehre von Mut, Bedürfnissen und Befriedung

„The 7 needs“ – so gebraucht

Es gibt 6 menschlichen Bedürfnisse, die bedient werden müssen. Im Fall der Agilität und einer Transformation sehen ich noch ein weiteres, 7. Bedürfnis. Das sind die Dinge, die uns im Leben antreiben und weit unterhalb von Karriere liegen. Weiter unten gehe ich näher darauf ein. Großteils unterbewusst bestimmen sie alle unsere Entscheidungen (nicht die Folgen, die kommen aus dem Bewusstsein) und formen und dominieren damit erheblich unser Leben. Und hier wird auch schon eine recht übergeordnete Frage beantwortet. Leben? Ja, Leben. Und das Leben findet nicht nur in der sogenannten Freizeit, sondern erst recht auf oder während der Arbeit statt. Versuchen Sie mal, während dieser Zeit, „auf Arbeit“ nicht zu leben …. Mir ist es nicht gelungen.

Erste Abgrenzung

Die menschlichen Bedürfnisse sind nicht nur Dinge, die wir verlangen, uns wünschen oder gerne hätten. Diese Bedürfnisse ist das (un-) bestimmte „Zeugs“, wo wir nicht oder wenig drüber nachdenken (und in der Regel reflektieren). Um eine Definition in einem Satz zu versuchen: Die menschlichen Bedürfnisse sind psychologische Bedürfnisse, die unter dem Radar des bewussten Denkens ‚(f)liegen‘ und tief und direkt unsere Motivationen oberhalb beeinflussen. Diese Bedürfnisse formen und bestimmen unser Leben, welche Dinge wir in unserem Leben priorisieren. Und selbst dieses priorisieren findet nicht immer bewusst statt.

Das Seltsame (in der Psychologie ist es beschrieben) ist, dass wir diese essentiellen Bedürfnisse selten direkt erkennen. Wir haben das zum Teil unbestimmte Gefühl, daß irgendetwas (mit uns) nicht stimmt oder etwas fehlt. Dieses Fehlen erzeugt Leid, bis hin zu körperlichen Schmerzen. An dieser Stelle setzt z.B. Achtsamkeit (Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR) an.

6+1 Bedürfnisse: Erkannt und benannt

Hier ein Liste / Übersicht. Es geht nicht nur um materielle oder soziale Bedürfnisse, sondern tiefsitzende evolutionär und psychologisch verankerte Bedürfnisse. Nach meiner Sichtweise und modernen Erkenntnissen sind diese weniger einzeln zu betrachten, sondern bedingen einander. Dabei folgen sie einem einfachen Mechanik: (Schmerz-) Vermeidung und (Lust-) Gewinn. Wobei Schmerz-Vermeidung deutlich ausgeprägter ist. Das ist in unserem Hirn evolutorisch programmiert und somit weder beeinflussbar noch weg zu trainieren (eliminieren, regulieren). Diese Punkte haben nichts mit Esoterik zu tun, sie bedienen sich nur gemeinsamer Erkenntnisse. Mir sind hier die Auswirkungen in der und auf die Agilität wichtig.

1. Gewissheit

Gewissheit: Menschen haben ein Verlangen danach, einen mentalen Komfort und Gewissheit zu haben, um Stress und Aufregung, den das Neue und Ungewisse schafft, zu minimieren. Gewissheit ist die innere Überzeugung, dass etwas Bestimmtes, eine Gemengelage, so ist oder sich so entwickeln wird (und nicht bedrohlich ist). Gewissheit bedeutet Sicherheit und Bestimmtheit und ist nicht zu verwechseln mit vorhersehbarer Monotonie oder Langeweile.

2. Abwechslung

Abwechslung: Abwechslung ist ein Schlüssel zum Glück und kann als die die Würze des Lebens verstanden werden. Es entstehen Hochgefühle, die biochemisch vom Neurotransmitter Dopamin, einer körpereigenen Droge,  erzeugt werden. Die Überraschung ist dabei ein guter Auslöser. Neben dem Komfort der Abwechslung und der Gewissheit wollen wir gleichzeitig die Befreiung von Langeweile, dem Voraussehbaren und der Stagnation.

3. Bedeutung

Bedeutung: Eine starke Triebfeder. Die persönliche Bedeutung und Wichtigkeit vor den Augen anderer. Hier steckt auch die Anerkennung (durch Andere) drin. Im Erschaffen einer eigenen Identität wird das Individuum zum Unikat. Erkennen das andere Menschen an, ist der Wunsch nach Bedeutung erfüllt. Es gibt eine Abgrenzung zu Machtstreben und Bedeutung in diesem Sinne und hier darf diese Bedeutung nicht mit Macht (über andere Menschen) verwechselt werden.

4. Verbindung, Interaktion

Verbindung, Interaktion: Dieses Bedürfnis deckt soziale Interaktionen ab. Als soziale Wesen sind wir weniger dazu geschaffen, dauerhaft allein zu sein. Nähe, Zuwendung und auch Liebe gehören dazu und erzeugt Gefühle der Geborgenheit und Zugehörigkeit. Erhalten wir über eine gewisse Zeit keine Rückmeldung darüber, dass wir zu einer Familie (Team) oder einer Gruppe von Menschen (Firma) dazu gehören, laufen wir in einen schmerzhaften Mangelzustand. Erneut und betont: Das hat nichts mit Esoterik, sondern evolutorische Wurzeln zu tun.

5. persönliches Wachstum

Persönliches Wachstum: Wachstum ist das tief verwurzelte Bedürfnis, mit sich selbst und seiner Sippe (‚Horde‘) (im Sinne von Team) mental, emotional und ja, manchmal auch spirituell zu wachsen. Nur am Rande: Agilität hat auch etwas mit modernem ‚Glaube‘ zu tun. Und Sippe? JA. Hier steckt Expansion drin und unter der Expansion der Glaubenssatz: Was breit gewachsen ist, muss stabil sein und strahlt somit eine Gewissheit aus. Auch ein Team unterhält untereinander soziale und notwendige Verbindungen, die aus der historischen Entwicklung (z.B. dem evolutorisch bedingten Gruppenverhalten von Primaten) begründet sind.

6. Beitrag, Vermächtnis

Beitrag, Vermächtnis: Im sogenannten Vermächtnis streben wir danach, ZU etwas beizutragen,das größer ist als wir selbst. Wir wollen im Grunde nach anderen Menschen, die in anderen Teams oder Organisationen unterwegs sind, helfen und Mehrwert in ihrem Leben schaffen. Was dafür getan wird, ist ziemlich egal, solange das Ganze einen Sinn von Genugtuung und das Gefühl, an etwas Größerem als man selbst, mitgewirkt zu haben.

7. Einen spürbaren Sinn stiften

Einen spürbaren Sinn stiften: Vermutlich das Bedürfnis, welches am wenigsten konkret ist. Es ist: Orientierung vermitteln, diese selbst zu haben, zu erkennen und daraus im Gesamtkontext der Anforderung ein zielgerichtetes Handeln abzuleiten. In Verbindung mit Sinn wird gerne auf die Frage nach den ‚Purpose‘, dem Zweck, geantwortet. Es wird die Antwort nach dem Warum, nicht nach den Was oder Wie, erwartet. Ist diese Antwort sinnvoll (subjektiv aus Sicht des Fragenden), wird eine wichtige Orientierung und eine abgeleitete Identifikation, die der Fragende in seinem Arbeitsleben sucht, gegeben. Sinn erfahren Sie überwiegend auf der emotionalen Ebene durch die Wertigkeit und die Bedeutung Ihres ei­genen Tuns und der Sichtbarkeit Ihres eigenen Beitrags zum Ganzen. Das steigert die Zufriedenheit.

Anregung: Jetzt versuchen Sie mal, hiergegen z.B. KPI’s und Monitoring zu halten. Don’t match.


1 Kommentar

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