Der Konjuktiv ist dem Produktiv … Dieser als Nebelkerze manipuliert regulativ

Fehler (Quellen) in der Kommunikation

Häufig entwickeln Menschen „Lieblingswörter“ bei den Weichmachern: eventuell, vielleicht, eigentlich, irgendwie, ein bisschen. Oft ist es den sprechenden Personen gar nicht bewusst, dass sie diese Wörter so häufig nutzen. In Verbindung mit weiteren Konjunktiven, (die Möglichkeitsform, in der schon die Möglichkeit der Unverbindlichkeit drin steckt), werden Fakten abgeschwächt. „Ich hätte da noch einen Vorschlag …“ – impliziert gleichzeitig ein „Ich bin mir aber unsicher“ oder „Ich habe aber nicht …“. Damit nimmt sich der Sprecher sehr zurück. Im beruflichen Kontext ist das oft hinderlich für die Karriere. „Ich habe einen Vorschlag“ – zack – und kommt dieser dann auch und hat Substanz, trifft dieser es klarer und direkter, wirkt aktiver und weniger zurückhaltend.

Das Problem: Derartige Sätze lassen inhaltlich viel Spielraum für Interpretationen auf beiden Seiten. Wenn dabei während des Sprechens auch noch der Kopf gesenkt ist, die Stimme dünn und hauchig rüberkommt, die Arme hinter dem Rücken verschränkt sind, der Körper leicht hin und her tänzelt und der Blickkontakt fehlt, dann kann das angestrebte Kommunikationsziel niemals erreicht werden. Wirkt das? Ja, deutlich unentschlossen.

Die Krönung …

der Weichmacher … Die Entschuldigung vor dem Gesagten! Klar ist: Ein sprachlicher Weichspüler ist am Werk, der schon ohne das Wort „Entschuldigung“ sich selbst und den Diskussionsteilnehmer/in entlarvt. „Ich bin mir nicht sicher, ob es hier in die Diskussion passt …“. Ähnlich mit einem nachgestellten „oder“, das in einer Frage endet, siehe Zahnbehandlung. Wobei diese Form mit einer voran gestellt eindeutigen Aussage durchaus eigenes Denken (bei dem Empfänger der Frage) ansteuert. Die eigene Aussage, gerade getätigt, wird durch eine unnötige Frage „INfrage gestellt“ und damit ihrer Ernsthaftigkeit beraubt. Das ist bitte nicht generell und immer so zu sehen, denn wenn Sie sich in einem Gespräch langsam an ein Thema vortasten wollen, kann es durchaus sinnvoll und gewollt sein, derartige Möglichkeitsformen einzusetzen.

Paradox? Nein, es kommt auf den Kontext an und was Ihr wirkliches Kommunikationsziel ist. Nehmen Sie sehr sensible Themen wie Coaching oder Mitarbeiterführung. Es geht um das inhaltliche Herantasten an einen Kern, der als Ursache vermutet wird, der bewusste Einsatz von „vielleicht“ und „eventuell“ hilft dem Gesprächspartner, den Zugang zu diesem Thema zu finden und leichter in den Fluss zu kommen. Die oben genannte Frageform (und die Antworten AB- warten) ergibt durchaus dann Sinn und das ist der feine Unterschied, wenn das Kommunikationsziel wirklich ein sanftes Hineingleiten in ein sensibles Thema ist. „Eventuell vielleicht mal drauf achten?“

kostet Geld …

sogar viel Geld! Menschen werden nur deshalb missverstanden oder können nicht überzeugen, weil sie die Grundregeln der verbalen und nonverbalen Kommunikation nicht kennen oder bewusst missachten. Die Folgen daraus kosten der Wirtschaft jedes Jahr über 100 Mio. € – Tendenz steigend. Nur, damit es an dieser Stelle plastisch wird:
Der Betrag von 100.000.000,00 € hat in 100-Euro Noten, also diese hier …

100_Eurobanknote_Abmessung
Illustration: 100 € Banknote zur Ansicht

ein Gewicht von 1,02 t. (umgerechnet c.a. ein Auto Golf-Klasse). Ein einziger Geldstapel mit 1.000.000 neuen 100€-Banknoten ist ca. 100,00 m hoch und beansprucht ein Volumen von mindestens 1.205,40 Litern.

Welches Gefühl beschleicht Sie bei diesen Zahlen? Ich mache es jetzt mal noch deutlicher: Einige, sagen wir hundert Banknoten sind markiert mit Ihrem Firmenlogo – Sie wissen somit, das ist Ihr Beitrag gewesen … Wollen Sie dazu, ich meine dagegen, einen aktiven Beitrag leisten, der so gut wie nichts kostet? Nur so zu Spass mit einem Hintergrund, der Sie und Ihre Kommunikation erheblich verbessert: Machen Sie von sich selbst eine Audio- oder Videoaufnahme. Das kann da schon Wunder wirken. Hören Sie sich sprechen. Und wenn Ihnen selbst keine Weichspüler auffallen, spielen Sie die Aufnahme doch mal anderen Menschen vor. Sie werden erstaunt sein, welche Lieblingswörter (siehe unten) sich bei Ihnen eingeschliffen haben, die Sie erst auf einer Aufnahme wahrnehmen!

keine Verbote …

bei Präsentationen: „Könnte“, „Würde“, „Eigentlich“ stehen in der ewigen Rangliste der meist verwendeten Worte in Besprechungen und Präsentationen weit oben. Leider! Das Übel ist nicht, dass diese überhaupt verwendet werden, sondern die emotionale Wirkung dieser Weichmacher, die angerichtet werden. Sie, als Zuhörer, nehmen diese Worte wahr und fragen sich z.B. „Wo ist der Haken?“ oder „Warum ist mein Gegenüber nicht davon überzeugt?“. Gehen Sie mal in sich und fragen sich: Warum haben Sie nach einem Meeting ein ungutes Gefühl oder gar schlechte Laune?

… bei Worten: Natürlich sind diese Worte an und für sich nicht schlecht. Sie müssen auch nicht aus dem Sprach- und Wortschatz verdammt werden. Nur weniger davon und mit Bedacht – schon ist allen geholfen. Alleine dadurch, dass Sie einen aktiven Beitrag zum sich und andere besser fühlen leisten.

im Unterbewusstsein …

Der Verursacher ist schuld: unser Unterbewusstsein. Gerade die Worte „würde“, „könnte“ und „eigentlich“ baut unser Unterbewusstsein dann in unseren Sprachfluss ein, wenn wir unsicher sind. Unser Gehirn ist da richtig clever, aber (un-) heimlich. Es will uns davor schützen, Dinge zu sagen, hinter denen wir nicht stehen. Ob es die Unsicherheit ist oder gar Angst vor Fehlern oder das Unwohlsein des Vortragenden vor einer Gruppe – das ist nebensächlich – das Unterbewusstsein ist schneller. Unsicherheit jeglicher Art äußert sich in schwachen Formulierungen und diese sind die Brutkammer der rhetorischen Weichmacher. Ein einfaches Mittel dagegen ist: Werden Sie als erstes IN der Sache, also dem Thema, das Sie vortragen, sicher. DANN erst reduzieren Sie die Weichmacher, bei denen die obigen Sprach-Pattern (als Vorlage) sehr helfen.

(Mit-) Wirkung beim Zuhörer

Sie kennen es. Sie fragen einen Kollegen, ob er eine Aufgabe erledigt hat und die Antwort lautet „eigentlich schon“. „Eigentlich schon“ ist eine ausweichende Antwort auf eine „Ja/Nein-Frage“. Es macht Sie stutzig und Sie fragen sich dann, was alles „uneigentlich“ nicht erledigt wurde. In Präsentationen werden Ihre Zuhörer jedoch nicht bei jedem rhetorischen Weichmacher nachfragen. Das wäre (Weichmacher!) unhöflich – Sie werden viele davon gar nicht bewusst wahrnehmen. Aber unbewusst! Am Ende denkt die Runde dann „hört sich ganz gut an, aber der Vortragende scheint nicht ganz überzeugt zu sein“ oder gar „ich weiß nicht warum, aber ich glaube nicht, dass mein Gegenüber das hinbekommt“. Wir haben als Zuhörer eine sehr sensible Wahrnehmung (auch aus dem Unterbewusstsein, dass hier in beide Richtungen funktioniert), die ebenso unter dem Radar stattfindet und ganz automatisch abläuft.

Die 8 Typen kennen

Weichmacher wirksam eliminieren: Ich kenne drei Tipps, um unbewusst gesetzte Weichmacher zu vermeiden:

  • Bereiten Sie Ihre Argumentation oder Vortrag vor und zwar besonders die Teile, in denen Sie unsicher sind – dann verhindern Sie den Schutzreflex Ihres Unterbewusstseins.
  • Stellen Sie Ihre Argumente vorab ausgesuchten Kollegen oder Freunden vor und bitten Sie diese explizit darum, auf Weichmacher zu achten. Wenn Sie ein Weichmacher-Fan sind, dann sollen Ihnen diese Zuhörer bei Ihrer Proberunde bei jedem verwendeten akustischen Weichspüler ein nonverbales oder sonstiges Zeichen geben.
  • Nehmen Sie sich auf. Auf Band, Handy oder Video und hören Sie sich Ihre Formulierungen an. Machen Sie eine Strichliste. Vorher schreiben Sie die gängisten Weichmacher auf diese Liste. Sobald Sie erkennen, welche Weichmacher Sie besonders gerne verwenden, können Sie Ihr Verhalten gezielt anpassen. 3 Phasen bieten sich an:

Phase 1: Sie erkennen Ihre Lieblings-Weichmacher durch Aufnahmen mit Strichliste oder Rückmeldung von Kollegen und Freunden
Phase 2: Keine Panik! Sie werden zukünftig, während Sie sprechen, häufiger aktiv bemerken, dass Sie gerade wieder einen Weichspüler verwendet haben. Das ist nicht schlimm, aber das gehört in der Lernphase dazu.
Phase 3: Sie haben sich sensibilisiert. Sie werden zukünftig beim Sprechen bemerken, dass Sie wieder einen Weichmacher einsetzen wollen. Sie merken es rechtzeitig und können ihn verhindern. Hier wird Ihr Unterbewusstsein wieder zum Freund und Helfer.

Und ein alles entscheidender Tipp: Erst denken, dann filtern, dann sprechen. Ist es nun komisch oder kontraproduktiv, dass in der Schule, der Ausbildung und im Berufsleben ’schnelles re- agieren‘ gelobt, gefordert und prämiert anstatt das sinnige, denkende agieren geübt und praktiziert wird? An anderer Stelle habe ich da mal nachgesehen: Hier steckt die Fast-Track Ideologie drin. Später dazu mehr.


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